Samstag, Juli 22, 2017

Ich158

Die Nacht ist warm. Ich lege mich in sie hinein und vergesse dich an zwei bis drei Tresen. Reicht nicht aus. Die Nacht ist warm.

Aus Erfahrung weiß ich, woher der Hase weht. Wenn ich nur lange genug nicht mehr an dich denke, wird es auch wieder Herbst.

Sehnsucht an Sommernächten: Zumindest das Gefühl zu haben, ein Teil eines Kusses zu sein. Sekunde fünf bis sieben oder so.

Freitag, Juli 21, 2017

Ich157

Alles ist gut so wie es ist. Ein Schweigen tritt ein, setzt sich plump und raumfordernd wie ein Tumor an meinen Tisch und trinkt meinen Kaffee und isst meine Gedanken an Dich. Bis keiner mehr da ist.

Lange betrachte ich 3 Muscheln, die ich in hoffnungsvoller Kleinstarbeit an einem guten Ort installiert habe. Ich werde ans Meer fahren. Ohne Dich.

Über allem hängt ein Satz. Alles ist gut so wie es ist.

Donnerstag, Juli 20, 2017

Ich156

Manchmal backst Du in meinen Träumen Apfelkuchen. Dann summst Du Lieder, die auch mir etwas bedeuten. Ich sitze am Tisch, während ich Dich nicht sehe, aber höre und weiß, dass Du da bist. Und wenn ich dann wage, in die Küche zu gehen, ist sie leer. Weder Du, noch ein Apfelkuchen, noch das Gefühl von Heiterkeit und Zuversicht.

Manchmal in der Realität bemerke ich, dass jemand Fluchtwege um mich herum installiert hat. Viele Wege führen von mir weg und im Bus schwitze ich auf dem Weg zu Dir. Jemand hat mir dieser Tage die Lockerheit amputiert.

Mittwoch, Juli 19, 2017

Ich155

Zwischen all den anderen Dingen und Menschen und Begegnungen, Büchern, Sehnsüchten, Begebenheiten und Beziehungen vergesse ich manchmal, dass ich Autor bin und einfach nur schreiben sollte.

Dienstag, Juli 18, 2017

Ich154

Ein Märchen

Scheiß doch drauf, das Glück liegt so nah, sagt Frau Isolde. Frau Isolde hat diverse Darmkrankheiten und scheißt, wenn sie scheißt, immer auch Blut. Das dauert nicht mehr lange, sagt der Arzt und ich pumpe Frau Isoldes Pflegebett hoch und geb ihr was zu trinken, während sie sagt, ich solle drauf scheißen, denn das Glück, du weißt schon, die Nähe des Glücks. Nur paar Schritte, siehste, kannste sehen.

Anderntags oder noch etwas später war Frau Isoldes Bett leer und man sagte mir, sie sei tot. Huch, sagte ich, wie schnell sowas geht und Frau Isolde lachte, was mir komisch vorkam, denn sie war ja tot, außerdem gar nicht da und überhaupt. Dann sagte sie noch ein paar wichtige Sätze, während ich ihr Zimmer desinfizierte.

1. Versammlungsfreiheit ist Versammlungsfreiheit. Wenn Du Dich mit Deinesgleichen versammeln willst, musst Du auch tolerieren, dass sich Deine Feinde versammeln.
2. Lass die Finger vom LSD, so wird das nichts mit der Literaturkarriere.
3. Das mit dem Glück ist echt nur Selbstverarsche. Wenn Du Dir selbst vormachen kannst, dass Du glücklich bist, dann bist Du es auch.

Frau Isoldes Stimme verschwand dann in Form eines der passivste Windhäuche, die ich jemals gespürt habe durch das angekippte Fenster. Draußen gähnte die Großstadt und tat so, als ginge sie das alles nichts an, womit sie recht hatte.

Ich machte mir eine DoTo Liste. Alles roch nach Frau Isolde. Ich machte mir ein Jazztape an und putzte alles aus dem Raum heraus, was da nicht drin sein sollte. Ich war vorbereitet.


Montag, Juli 17, 2017

Ich153

Vielleicht bin in eine der größten Enttäuschungen der Menschheit. Ich werde eine Umfrage machen müssen. "Entschuldigung, was halten Sie von...?"

Meine statistischen Erhebungen über mich zeigen mir, dass ich was ändern muss. M. hat gesagt, ich sehe krank aus. Ich glaube M. M. ist wunderschön, klug und hat Ahnung von krank.

Dann habe ich angefangen daran zu arbeiten, keine Enttäuschung mehr zu sein.

Sonntag, Juli 16, 2017

Ich152

Wie schlimm ist es wirklich Eifersucht in Anbetracht funktionierender Leben zu empfinden? Natürlich, bei niemandem ist alles gut, aber bei einigen Menschen manchmal gar nichts. Man sieht die unbeschwert fröhlichen ihren lustbetonten Wahnsinn abfackeln und fragt sich wo man hätte abbiegen müssen, um jetzt freien Herzens dabei zu sein.

Antworten verstecken sich in meiner Biographie. Die Kontrolle spielt eine Hauptrolle. Hauptsache die Dinge beisammen, die Gefühle geordnet und immer einen Plan in der Hinterhand. So sagen es die Angehörigen. Und alle anderen auch.

Samstag, Juli 15, 2017

Ich151

Wie erkläre ich dir das, fragte er sich, der es sich noch selbst anhand seiner Überzeugung erklären konnte, aber nicht mehr die Mittel hat, in diesem Wust aus Überzeugungen Gehör zu finden. Alle machen, was ihr Herz ihnen sagt. Alle haben somit recht.

Freitag, Juli 14, 2017

Ich150

Einfach mal die Fresse halten, wenn man nichts Konkretes meint. Gerade meinen alle was zu irgendwas, es ist eh viel zu laut. Ich schreie nicht, ich schreibe später.

Donnerstag, Juli 13, 2017

Ich149

Kurzes Märchen

Ein Stein liegt mit seiner Steinfamilie am Strand eines Ozeans. Alle sind grau und glücklich. Ab und zu kommt Wasser, selten, aber egal.

Manchmal regnet es. Auch das ist egal, weil alles egal ist. Wäre nicht alles egal, würde vielleicht einer der Steine nervös werden, ob ihrer Lage, Farbe oder sonstwas, die verdammte Ewigkeit wäre nicht auszuhalten.

Zeit vergeht. Es regnet und dann wieder nicht. Ein Kind kommt und verändert die Konstellation der Steine und entfernt einen. Ein handlicher Schmeichler. Einfach weg. Die Steine rühren sich nicht. Wie sähe das denn aus?

Der Schmeichler liegt in einem Schuhkarton. 19 Jahre lang. Wird vergessen. Ganz ok. Alleine und vergessen. Egal.

Das einst einsammelnde Kind öffnet nach 19 Jahren den Schuhkarton und gedenkt eines Verstorbenen. Nimmt den Stein in die Hand. Projiziert Unglaubliches. Der Stein guckt genervt. Ist nicht mehr in seiner Rolle. Wird in eine Handtasche gesteckt. Häufig hervorgeholt. Angeweint.

Eine Reise beginnt. Das ehemalige Kind legt den Stein wieder an den Strand. Aber nicht in die Nähe seiner ehemaligen angestammten Steine. Man kann einander sehen, aber niemals mehr berühren. Die Hölle bricht los.

Alles bleibt wie immer.

Mittwoch, Juli 12, 2017

Ich148

Gegenüber in der U-Bahn. Dreiersitz. Schwitzender Alkoholiker links. Handyvertiefter Junge von ca. 12 rechts. In der Mitte ein gepflegter Typ, den ich auf Anhieb verabscheue. Er hat so etwas im Blick, was die beiden neben ihm sitzenden auf herablassende Weise analysiert. Er glänzt aus allen Poren. Eloquent und wunderschön. So einer, der in jedes Tetrisloch passt. Er sieht mich an, während ich diesen Text tippe und schwitze. Lächelt wissend. Vorurteile habe ich genug.

Die beiden neben ihm sind ausgestiegen. Er sitzt da und lächelt und trägt einen Skateboardbutton am Revers des Jacketts. Ich komme gut mit ihm klar, weil ich weiß, dass auch er sterben wird. Er macht "Mhm" als er aussteigt und zwinkert mir zu aus seinen schönen Augen. Mein Gesicht ist einbetoniert.

Die Frage ist ja ständig: Was ist Wahrheit und wohin gehen wir, wenn wir aussteigen?

Dienstag, Juli 11, 2017

Ich147

Hoffnung ist ein süßes Haustier, dass sich in Deinen Schoß kuschelt um einfach dort zu sterben, während es niedliche Geräusche absondert.

Montag, Juli 10, 2017

Ich146

Was die feigen Autorinnen und Autoren gut können? Auf einen bestehenden Scheißhaufen nochmal oben drauf kacken.

Die Mutigen öffnen ganz eigene Themenfässer, ohne sich zu scheuen, sich an Freunden, Fremden, Staaten oder sonstwas zu reiben. Nur dadurch entsteht was wirklich Neues.


Sonntag, Juli 09, 2017

Ich145

Heute geschlossen wegen Trauerfall.

Stand am Blumenladen.

Augen zu Boden.

Der Ersatzverkehr ist kein Mensch.

Wegfahren.

Umsteigen.

Weiter wegfahren.

Mogwai haben immer noch Angst vor Satan.

Ich auch.

Leg mich in die Wiese.

Leute mit Meinungen haben es leicht.

Abwarten.

Pläne machen.

Zurückfahren.

Weiterleben.

Samstag, Juli 08, 2017

Ich144

Gute Lesung gestern.
Jetzt krank.
Schweigen.
Besser so.

Der schönste Satz, den eine Zuschauerin sagte: "Wir brauchen etwas, was krasser als Liebe und Gewalt zusammen ist."

Auch wenn das keiner sieht, wollen wir das suchen.

Freitag, Juli 07, 2017

Ich143

Mir sind in der letzten Woche häufig Leichenwagen aufgefallen, die einfach so im Weg stehen. Botschaft: Wir werden weniger. Subtext: Willst Du was bewegen, beeil Dich.

Donnerstag, Juli 06, 2017

Ich142

Manchmal denke ich, warum eigentlich mache ich das hier? Also das mit dem Schreiben. Sitze am Tisch und habe verschiedene Gedanken und lasse einen los, der sich dann vergrößert und sich selbst groß assoziiert. So fängt immer alles an.

Zwischen Emotionen, meinem dehnbaren Ego und einfachem Handwerk entstehen dann Texte.

Aber es ist leise geworden. Der die das Feuilleton sagt, ich sei ihm egal. Meine Bücher versacken in den Regalen und Köpfen meiner Leserinnen und Leser.

Ich mache Euch ein Angebot: Sprecht mit mir darüber. Schreibt was darüber. Lasst mich an Euren Gefühlen teilhaben. Ich bin nicht dieser supercoole Distanzmensch, dem ihr egal seid.

Mittwoch, Juli 05, 2017

Ich141

Gespräche über Polizeigewalt. Gespräche über Gewalt generell. Gespräche über Gespräche. Gut, dass wir noch miteinander reden.

In Hamburg ist eine Festung aufgebaut und der Kapitalismus hat Angst vor den Menschen, denen er vorgibt Gutes zuzufügen. Alle sind angepisst. Stacheldraht und Panzer. Drohkulisse.

Ein Polizist auf einem Podium sagt: "Friedlich soll es werden, aber gesetzt den Fall, dass es nicht so ist, packen wir alles aus, was wir dabei haben." Jeder fragt sich, was passiert.

Immer nur ein paar Zweizeiler raushacken, der die ganze Welt beschreiben soll. Slogans und Vernichtungsphantasien. Das ist die Situation.

Auf der Straße spricht man halt die Kurzform in einem griffigen Slogan aus, meint der Demonstrant und dahinter sei 30 Jahre linksradikale Bildung und Erfahrung zu vermuten, ergänzt er.

Wir haben doch keine Chance gegen die Panzer, aber wir greifen sie trotzdem an, weil sie uns schon das ganze Leben angreifen. Sagt einer. Ich nicke.




Dienstag, Juli 04, 2017

Ich140

Grad kam mir eine Abiturklasse entgegen. Auf ihren schwarzen Tshirts stand "E wie entelligent, nein Spaß, war Eronie." Alle lachten.

Montag, Juli 03, 2017

Ich139

Wo ist der Punkt? Also der Punkt, an dem er aufgehört hat, sich zu waschen? Oder der Punkt, an dem er hätte morgens aufstehen müssen, wegen Arbeit oder Schule und es einfach nicht getan hat? Der Punkt, an dem sie aufgehört hat, ihn zu lieben und der Punkt, als sie angefangen hat, darauf zu scheißen, wie andere sie sehen? Wo ist der Punkt, als es einfach zu viele Zellen in seinem Leib waren, die nichts Gutes von ihm wollten? Wo ist der Punkt, als sie einfach durchdrehte und zuschlug und es in ihrem Kopf noch irgendwie Pädagogik nennen konnte? Wo war sie, die kleine Grenze zwischen Party und Bewusstsein, also das erste Mal Ketamin und so? Ist das noch meine Entscheidung, fragt er sich. Ein Rapper sagte am Wochenende zu mir: "America killed my father with heroin." Wer ist da jetzt verantwortlich? Amerika, Papa oder Heroin? Wo ist der Punkt?

Sonntag, Juli 02, 2017

Ich138

Ich hab genau nirgendwo ein irgendwie geartetes Problem mit irgendwas. Mit genau diesem Satz im Kopf, rotierend wie ein Loop, wache ich nach sieben leisen und traumlosen Stunden auf. Wache auf, in einem Leben, das sowas von meins ist. Wache auf und blinzle und mache Kaffee und Pläne. Wache auf und fühle mich in der Mitte von irgendwas. Um mich kreischen Planeten.

Die Stadt verschluckt mich. Alles knattert so schön. Ein halbes Auge Skepsis reicht auch.

Samstag, Juli 01, 2017

Ich137

Ein jeder darf seinen Film fahren und die Bäume werden des Nachts grün illuminiert und der Himmel ist ein Vakuum, das mich verschlingen will und kein Gespräch kann diesen Beat ersetzen, deswegen rede ich nicht, sondern wackle arhythmisch in einem Zelt und ein DJ raised die Arme in den sky, der jetzt nicht mehr da ist.

Weil es schön ist, sage ich, als du fragst, warum ich irgendwas, was ich heute getan habe, überhaupt tue. Kein Problem, sagst du und es stimmt. Die Welt ist ohne Zweifel ein okayer Ort, solange jeder seine Arme in den sky raised und sich ein Stück Glück ausdenkt. Weitere Beats, man will sie zählen und mitnehmen. Bei 157411 höre ich auf zu zählen. Ich zähle stattdessen lächelnde Leute und die Summe ist: Alle!

Weil es schön ist. Sagst du. Und glänzt überhaupt überall. Glitzer betont irgendwas an dir, was ansonsten eine egale Angelegenheit ist. Ich esse Pommes mit Ananascurrysauce, während ich arhythmisch wackle. Mein Tanzstil mit Pommes.

Jeverjeverjever. Damit komme ich durch die Nacht. Jeverjeverjeverpommesjeverjeverjever. Die meisten Unfälle passieren wenn niemand hinsieht. Hier geschieht nichts und alle gucken hin.

Wir haben Gespräche, die sich wie nachdenkliche Schlägereien anfühlen. Jeverjeverpommesjever.

Freitag, Juni 30, 2017

Ich136

Früher dachte ich, an den Freuden des Kapitalismus keinen Spaß haben zu wollen. Dann sah ich, dass, so sehr ich mich auch dagegen wehre, ich immer im System gefangen bin und bleiben werde. Gestern sah ich, beim Spaziergang durch Hamburg, wie sich eine Stadt auf einen Krieg vorbereitet, der zur Verteidigung des Kapitalismus geführt werden wird. Heute sitze ich und frühstücke herzlos Einzelteile von Irgendwas in Gegenwart von Polizei mit Maschinenpistolen.

Donnerstag, Juni 29, 2017

Ich135

Erster Kaffee. Leeres Hirn. Blick aus Fenster. Nichts. Umgebung. Mein Verhalten ist eine Umgehungsstraße. Ich fahre. Ohne Denken. Wenn mich hier die Demenz angreift, dann hat sie leichtes Spiel.

Mittwoch, Juni 28, 2017

Ich134

Manchmal ergeben sich glückliche Begegnungen. Du sitzt so rum. Großer Kopfhörer und hattest eigentlich den Eindruck, dass Deine Gedanken, die Du hast in Deinem Gesicht zu lesen sind, und darob niemand wirklich Lust hat, sich in der Bahn neben Dich zu setzen, weil das irgendwie anstrengend aussieht und viele verstört. Immer dieses Denken, keine Richtung hat das zuweilen, es ist einfach nur da, im Kopf, rotiert und macht nervös und blöd. Ja, interessante These, denkst Du: Denken macht blöd. Aber dann setzt sie sich doch dahin und lächelt und riecht nach Mangobaum. Morrissey heult Dich voll, aber ihn nimmst Du schon lange nicht mehr ernst. Dann stehst Du auf, Dein Lächeln sagt, es sei Sommer und sie nickt und Du auch und im Exzess des Nickens vergesst ihr beide wahrscheinlich grad die Unabwegbarkeiten des eigenen Lifestyles. Das Problematische und so. 
Du gehst irgendwo hin. Niemand folgt Dir. Ist das die Idealvorstellung Deines Lebens?


Dienstag, Juni 27, 2017

Ich133

Wir labern so rum. Alle labern so rum. Labertaschen, die sich leeren. Das große Blabla der ultimativen Eindrücke. So sitzen wir in den Cafés und Bars und verlieren ein Zuhause an das vage verbale Vagabundieren.

Der Besuch von, der Aufenthalt bei, der Auftritt des, die Show eines, die Intensität unserer Leben zu maximieren versucht, bleiben wir doch die, die wir sind. Müde Augen schauen Tristesse. Der Rest ist Fassade, aufgemalt und klingt nach Autoren, die wie Friseursalons heißen oder Bands, die Dir Dein Leben direkt aus der Gitarre und dem Bart murmeln oder Zeichner, die Zeug zeichnen ohne Zeug zu berühren oder Aktivisten, die jetzt in die Armeearme einer Staatsmacht rennen werden, weil dieser genau das erwartet.

Macht mal was anders.
Sprengt Erwartungen.
Liebt wen, obwohl Ihr Euch das nicht traut.
Steckt Euch Finger in die Augen, wenn Ihr der optischen Eindrücke der Welt müde seit.
Antwortet mal wahrheitsgemäß auf die Frage, wie es Euch geht.
Lügt alle an.
Schreibt mir.
Macht das bloß nicht.
Tut nie, was ich tun würde.
Eskaliert aus guten Gründen.

Montag, Juni 26, 2017

Ich132

Literatur, warum?
Stell mir diese Frage laufend.
Läuft irgendwie, das ganze Gerüst ist zwar ständig am wackeln, aber es gibt eine magische Technik, dass man sich unten festhält, während man oben irgendwas aufstapelt. Und wenn man im Flow ist, fühlt man sich als könne man schreiben und wenn man dann Thomas Bernhard liest fühlt man sich wie der letzte Trottel. Aber ich bin jetzt und Zeit ist niemals Zeit genug und ich streichel einen Arm und freue mich auf die Resonanz, bis ich merke, dass es mein eigener Arm ist.

Und dann gibt es ein paar Rückmeldungen und man kommt miteinander ins Gespräch und wird gefragt: "Warum machst Du das eigentlich?" Eine Antwort bleibt aus, bin nicht so der eloquente Übersichselbstsprecher. Problem dabei: DAS PROBLEM. Die Kunst, die ich mache, hat ihren Ursprung in der Unerklärlichkeit. Die Idee kommt von irgendwo und springt ins nirgendwo, nirwanat dann umher und plötzlich brechen Teile aus dem Universum und Gesprächsfetzen bleiben in der Netzhaut hängen, gut sichtbar für jeden und mein Auge singt ein paar Töne vom Verlust der Schönheit.

(Zwischenmahlzeit, Gespräche über Verdauung, ein Spaziergang, Kleingeld gezählt)

Weiter.

Ein Text entsteht nicht wie ein Kind, ein Text ist kein Kind, meine Bücher sind keine Geburten im herkömmlichen Sinn, sondern sie kommen einfach durch die Tastatur gekrochen, verflockender Staub, der plötzlich sich zu einem Tier formiert. Transformers usw. Dann ist was da und wächst. Es ist kein Kind, verdammt, nein, man kann es töten und es ist egal. In jedem Stadium.

(Nichts mehr, ein Rotwein, der Versuch klar zu denken, der Versuch, nicht versucht zu sein, nichts zu versuchen, wissen, dass der Text irre klingt, immer noch behaupten können, dass man das so mache, in der Kunst)

Das Bild wird weit.

Ich schaffe. Ein paar Worte fallen runter. Abgeraspelt, weil so viele braucht man nicht. Die ungenutzten Worte liegen auf dem Fußboden, machen irgendwas, warten auf ihren Einsatz, aber ich zertrete sie nachhaltig. Ich bin klar. Ich bin Wasser. Ich bin Welle. Ich bin ..., ja was eigentlich? Denke an Dich, die Beschaffenheit Deiner Worte und wie viel davon in meinem Kopf Platz hat. Mein Kopf is a resident place. Ein DJ legt verspulte Grammatik auf. Everybody on the dancefloor, yo. Nichts weiter passiert. Alles, bloß kein Poetry Slam, davor habe ich Angst.

(Katastrophe, Katasbridge, Katasrefrain, der Song wird trotzdem ganz fröhlich, in der Pause höre ich Brian Wilson Klavier spielen)

Mein Schreibtisch ist nicht aufgeräumt.

Weiter. Weiter. Weiter. Im Text. Techno. Treibender Bass. Oben hört mein Nachbar alles was ich laut denke. Er klingelt, er sagt, ich solle bitte aufhören zu denken. Ich verspreche es ihm. Ich denke anschließend sehr leise.

(Verdörrt sind alle Zimmerpflanzen und mein Kopf ist ein Vakuum und ich hatte letztens Hunger und habe alle Prozesse unterbrochen, auch die Magie)

Ich habe aufgehört. Mit allem, was nicht mehr wichtig ist (ich hoffe M weiß, dass M sehr wichtig ist). Mein Kopf ist eine Apfelsine. Ich schäle sie, schmeiße alles weg, was nicht der reinen Essenz dient. Ich schreie leise. Komponiere einen Schlußakkord. Vergesse ihn und werfe stattdessen irgendwas um. Irgendwas ist fertig geworden und ich hab erklärt, wie das passiert ist.

(Nichts)

Ich hoffe, Ihr versteht!

Sonntag, Juni 25, 2017

Ich131

Ein bisschen leergeliebt stehe ich im Türrahmen und versuche mich zu beruhigen. Es bleibt bei dem Versuch. Ich scheitere erneut dabei, cool zu bleiben. Bin das wohl nicht. Deine Schritte vermischen sich mit der Umwelt, von der ich kein Teil sein kann.

Ich wache auf, der Tag ist neu. Und zwischen mir und Deiner Welt liegen plötzlich Universen. Das habe ich gemacht. Fick Dich, Zuversicht.

Samstag, Juni 24, 2017

Ich130

Alles, wirklich alles, hat bekanntlich zwei Seiten, auch die Empathie. Es kann einfach sein, dass die Distanz weggeht, es kann aber auch sein, dass sie ewig so bleibt, wie sie jetzt gerade da ist und irgendjemand einfach demnächst seine Bettwäsche wechselt, die nach dir riecht. Das sollte mir egal sein, ist es aber nicht.

Alles, wirklich alles, sollte mir manchmal egal sein. Ich habe da dieses halbfertige Buch, das mich täglich auslacht, aber auch umso krasser bittet, es endlich fertig zu schreiben, um die nächste Idee zu verfolgen. Das kann mir nie egal sein. Ein paar gute Sätze tummeln sich mit ein paar halbguten und ich bin jeden Tag zu müde, um mich dem zu stellen, was da gemacht werden will. 

Alles, wirklich alles, besteht nur aus meiner beschissenen Wahrnehmung. Die Wahrheit ist nie die Wahrheit der anderen. Logik kommt mir zuweilen vor wie eine große Lüge, die ich anschreien möchte. Ich will jemanden besoffen umarmen, auch das ist eine Wahrheit, aber es ist 9:20 Uhr und ich liege im Bett, bin nüchtern und habe lange nicht mehr getanzt. 

Freitag, Juni 23, 2017

Ich129

Nichts darf egal werden, hab ich mal gesagt. Dann wurde alles zuviel, anschließend egal.