Freitag, August 18, 2017

Ich185

Ich wünsche allen Menschen meine Kriegsangst. Nichts würde passieren.

Donnerstag, August 17, 2017

Ich184

Es ist gut, wenn die bestimmte Sehnsucht aufhört und einer unbestimmten weicht. Zum Beispiel finde ich es gerade gut, um 4.58 Uhr auf dem Fensterbrett zu sitzen, leise die Beach Boys zu hören, an Kaffeetassen zu nippen und ganz unbestimmt das Knistern der Welt wahrzunehmen.

Mittwoch, August 16, 2017

Ich183

Ich stampfe auf dem Weg vom Kino nach Hause. "Summertime Sadness" von Lana del Rey auf den Ohren und mir kommen Leute entgegen und ich singe laut: " ... I just wanted you to know that baby you´re the best ..." Ich rauche erhaben in der Stadt und fühle mich, als wäre ich nicht allein, obwohl ich alleiner grad
kaum
sein 
könnte. 

Massive Eindrücke zerballern mich. Fragen martern. Aber daraus entstehen neue Dinge, neue Wege, gute Wege, Turnschuhe an und drüber. Ich kenne mich
manchmal
nicht
mehr 
aus. 

Ich glaube mein Gehirn ist Suppe. Nicht diese Suppe, in der viele Vitamine schwimmen, die du für deine Freunde gekocht hast, sondern eher wie die Suppe, in der 3 einsame Kartoffeln lebewohl zum Restgeschmack des Lebens sagen und ich habe keinen sitzen und viel zu viele Termine, 
und 
viel
zu 
wenig
Halt. 

Aber ich stampfe durch die Stadt und jetzt singt mir Bowie den "Starman" und ich gucke in den Himmel, weil alle immer in den Himmel gucken, wenn jemand tot ist und immer ist jemand tot, manchmal sogar jemand
den
man 
offensichtlich
gekannt 
hat. 

Immer diese Popverweise. Die innere Zensur sagt: "Ok, hau raus den Text, der ist peinlich genug für jemanden, dem offensichtlich nichts mehr peinlich ist" und mir kommt dieses Mädchen im Badeanzug entgegen und fragt mich nach Feuer
und
ich 
zünde 
sie 
an. 

Weiterlaufen. Texte im Kopf. Melodien. Zweifel. So viel Zweifel, schon fast Dreifel. Wahlplakate schauen mich an und versprechen mir Zukunft, was sogar noch lächerlicher ist als ich und durch ironiegetränkten Augen des Typens am Späti kann ich direkt seine Gedanken ablesen:
Alles
ist
egal. 

Ich laufe dann nach Hause und jemand ruft mir zu, ich solle endlich mein Bier austrinken und ins Bett kommen, aber dann fällt dieser Person auf, dass sie mich verwechselt hat, weil hier weder Bett noch Bier sind. Nur
die Wärme
die genutzte Gelegenheit
der Zeitvertreib. 

Ein
Ende
finden. 
Jetzt. 


Dienstag, August 15, 2017

Ich182

Mit wem würdest du gerne mal reden, wenn du mit jedem auf der Welt reden könntest? Einfach so, schnips, zwei Stühle, ein Tisch, ein paar Stunden Ruhe, Essen und Getränke. Würdest du versuchen, einen Diktator zu beeinflussen? Oder die Frau eines Diktators? Würdest du versuchen, einen verschollenen Lieblingsmenschen von dir zu überzeugen? Oder dich bei deinem favourisierten Popstar oder Künstler einschleimen? Würdest du einfach einen Penner von der Straße ziehen und ihn um seine Absturzgeschichte bitten? Oder gar ein Selbstgespräch führen? Oder vielleicht einen Menschen herholen, der zufällig vorbeiläuft, der dich einfach so interessiert, optisch oder nur irgendein Detail an ihm oder ihr?

Ich sitze still in einem Café über diesen Fragen, esse ein Brot, trinke einen Kaffee und schaue mir die Leute an. Ich glaube, wir reden alle zu viel, sage ich zu meiner Kaffeetasse und sie meint, dass das schon stimmen würde, aber ich solle mir erstmal ihre Geschichte anhören. Ich erfahre, wer sie schon alles im Mund hatte und wie es sich anfühlt 90 Minuten mit den Kollegen in der Spülmaschine zu fahren. Ich bin kurzfristig interessiert, auch eine Tasse zu werden. Allerdings fragt mich die Tasse nicht, was bei mir so los ist. Vielleicht sieht sie mir an, dass sie heute die Antwort nicht aushalten würde.


Montag, August 14, 2017

Ich181

Sitzen. Warten. 
Soziale Regeln wurden für die gemacht, die draußen unterwegs sind, die sich bemühen, ihre Kontakte zu pflegen, die unauffällig an dem teilhaben, was sie Gesellschaft nennen. 
Sitzen. Warten. 
K. ruft an und wir reden 3 Stunden und 16 Minuten und 37 Sekunden über die Schwierigkeit man selbst zu sein und über Zwänge. 
Sitzen. Warten. 
Ich verlasse die Wohnung manchmal nur, um zu sehen, ob der Krieg entweder angefangen hat oder vorbei ist. 
Sitzen. Warten. 
Ich habe Angst vor Pferden und vor Autos und vor Leuten, die einen sinnlos anstarren, ohne zu reden. 
Sitzen. 
Ich bin losgegangen. 
Nie. Nie. Nie wieder warten. 

Sonntag, August 13, 2017

Ich180

Im Exzess der Nichtigkeiten
1, 2, 3, 7 Cocktails
paar Schnäpse
Unterhaltungen über Haltungen
Nicht gehalten werden
Es ist immer noch nichts
und es bleibt auch nichts
solange nichts passiert
nichts.

Weil aber dann doch
und meine Sprache taumelt
ein paar Wörter, die ich für
richtig halte an die Ohren derer,
die noch da sind, um mir zuzuhören, weil:
die meisten sind gegangen

Aber ein Abend in der Krise,
nachdem ich drei Telefonnummern in der Tasche habe:
1. Empfehlung eines sogenannten "guten Therapeuten"
2. 110 (und dahinter das Wort: Bedrohung)
3. irgendwas mit Pizza

Zuhause ein glücklicher Alleiner.

Samstag, August 12, 2017

Ich179

"Hallo."
"Hallo?"
"Darf ich mich setzen und wir werden Freunde, vielleicht für immer und reden über Themen, dies, das Ananas und unterstützen uns, wenn wir umziehen und manchmal leihst du mir Geld, weil es einfach schwer ist, als Künstler durchzukommen, ohne Gott weiß wieviel zu arbeiten und diese Zeit, du weißt schon, sie verschwindet dann einfach so und du umarmst mich, wenn wieder was Dummes mit diesem Mädchen passiert und ich zuviel an sie denke, weil dann hast du ein Ohr für mich frei, in das ich meine Sprache und mein individuelles Leid flöten kann. Ok?"
"Klar, nimm Platz."
"Zwei Bier bitte."

Zeit vergeht.

"Alles bleibt ok, oder? Alles bleibt ok, wenn die Bomben auf uns drauf hageln, weil wir dann zusammen hier stehen und weniger Angst haben werden, weil es ist doch gut, wenn man nicht alleine ist, wenn Angst auftaucht, oder?"
"Stimmt."
"Und wenn Krieg kommt, wäre es ok, wenn wir und sieben Kartons Sekt plus diverse Nudelgerichte in einem Zimmer mit Dachfenster wohnen könnten und wir den Krieg immer nur ein bisschen sehen, so einen kleinen Ausschnitt davon."
"Ok, kriegen wir hin."

Zeit vergeht.

"Ich weiß manchmal nicht, wohin mit dieser Angst, wäre gut, wenn da wer wäre und ich wer für wen sein kann und alles in einem menschlichen Kompott aufgeht, hahaha, so als wären wir verschiedene Früchte in einem Obstsalat. Hahaha usw. Alles wird schön."
"Glaub ich auch."

Danke!

Freitag, August 11, 2017

Ich178

Wie seltsam ist das eigentlich, um diese Uhrzeit nach einer halben Flasche Weißwein in einem Lokal zu sitzen, von schräpigem Techno stimuliert einen Text geschrieben zu haben und jetzt sind plötzlich 3 Stunden weg und Literatur ist fertig?
Nicht sehr.

Man kommt sich vor wie der letzte Bohemian, fühlt aber eine Anstrengung wie im Hoch-, Tief- und Stahlbau und ich weiß auch, wer jetzt wieder über mich lacht, wenn ich sage, dass Schreiben harte und erbarmungslose ARBEIT ist. 

Der Wein war gut, ich habe ihn zur Mitte des Textes bestellt. Erst ein Glas, dann habe ich das Ausmaß wahrgenommen und habe mich nach dem Preis der Flasche erkundigt. Da diese erschwinglich war, habe ich sie geordert und nach und nach verstoffwechselt. 

Jetzt ist wieder was fertig. Es gehört zu einem Projekt und es hat mich lange aufgehalten, weil alles daran und darin viel zu persönlich war. Aber jetzt ist es geschafft, zumindest das Grundgerüst, an dem ich noch was feilen werde. 

Hätte nicht gedacht, dass das so schwer bleibt, mit dem Schreiben. Hätte nie gedacht, dass es auch massiv weh tun kann. Hatte immer die Hoffnung, dass es mich ein bisschen therapiert. Hat es nie. Therapeuten haben mich therapiert. Texte nie. 

Jetzt ist Platz für was Neues. Irgendwas, was man anfangen kann. Es gibt eine Idee, von der ich nicht weiß, ob sie gut ist. Es gibt da eine weitere Idee, die auf jeden Fall sehr krass ist, der ich mich aber nicht gewachsen fühle. Soviel Selbstkritik muss sein, Scheißtyp. 

Ein Typ fragte, was denn schräpig sei? Ich habe es versucht zu erklären. Ein altes Radio, dass Du unter Wasser hörst. Ein Rave unter dem Meeresspiegel. Aber ich wollte nicht allzu poetisch sein. Ich habe gelernt, dass das im Alltag nur zu Problemen führt. 


Donnerstag, August 10, 2017

Ich177

Manchmal sitze ich rum und bin lächerlich. Sitze auf diesem Stuhl und denke Leere, Unvollständigkeit und elementare Blödheit. Dann höre ich lange nicht auf damit, Bremse im Kopf, nichts geht außer Quatsch. Irgendwann ist der Blödsinn vorbei und ich gehe. Draußen wartet mein Pferd. Ich reite es in die Mittagssonne. Dort denkt auch niemand. Endlich mit dem Denken aufhören. Das Pferd bleibt zurück. Ich gehe weiter. Dieser Text ist vollkommener Schwachsinn, denn ich habe Angst vor Pferden.

Mittwoch, August 09, 2017

Ich176

Du stehst auf einem Festival, alles ist dreckig, selbst du selbst, auch von innen, von außen sowieso, eine Band kommt auf die Bühne und ein aufgedrehter Sänger schreit: "This is a song about religion, FUCK RELIGION." Du stehst da rum und denkst an einfache Lösungen. Schnell und effektiv, so wie jemand Krebsscheiße von gesundem Gewebe trennt. Du hörst so viele Sätze, die einfache Lösungen anbieten, die ganze Zeit, schwarz, weiß, easy, sei so, dann passiert das, das ist der Effekt, wenn du das und das tust und so wird die Welt, wenn das passiert oder jener stirbt. Also kill dies, smash jenes und die Welt wird ein guter Ort.

Revolution, Revolution und so. Du stehst so rum und denkst, dass die Menge an Tshirts mit Parolen nicht ausreichen wird, um die Welt, selbst für ein paar Sekunden besser zu machen. Nach wie vielen revolutionären Gesten kommt eigentlich die Revolution. Man feiert hier derbe an seiner anti-irgendwas-Einstellung herum, lebt oben, ist angetrunken, hat vielleicht sogar Speed intus, oder einem sitzt einfach nur der Vegaburger quer im Arsch und was passiert jetzt? Man bereitet ein Spielfeld vor, aber man fängt nie wirklich an zu spielen.

Ich bin müde.

Dienstag, August 08, 2017

Ich175

Bald sind Bundestagswahlen. Die Stadt hängt voller träger Gesichter, als ob die Menschen nicht schon schlimm genug wären, als wenn ich nicht täglich erwarten würde, dass gleich Dein Gesicht gegenüber an der Ampel steht und mich einfach in die Hölle ignoriert. 

Die Gesichter, sie starren. Stadtgesichter, mit erfahrenen Blicken. Keine Entgleisungen, alles ist irgendwie gut und glatt und erhaben an diesen Gesichtern. Ich selbst habe leider jemandem vor Jahren schon versprechen müssen, kein politisches Amt zu wollen, bevor ich nicht 45 bin. Es fällt mir immer leichter. 

Warum schreibe ich das? Ich glaube, weil ich einfach nicht vergessen will, dass es gute Gesichter und hoffnungsvolle Blicke gibt. Das nicht jede Fresse mich tödlich genervt anschaut, dass nicht jeder Blick leergewohnt und weit weg ist. 


Montag, August 07, 2017

Ich174

Wenn eh schon alles an dem Punkt ist, wo ein Aufwärtstrend kaum noch sichtbar ist, kann ich auch jetzt im Untergrund verschwinden. Das große Egal wie der Vollmond über allem. Dein Gesicht ist eine Sonne. Ich sehe zu, wie sie verschwindet. Ich mache mich lächerlich mit meiner Liebe.

Aber ich bin eine Kuh und irgendwer will ein Steak und schneidet es aus mir heraus. Wie macht man ein Steak fragte wer und jemand sagte, man solle eine Kuh nehmen und alles wegschneiden soll, was nicht nach Steak aussieht. Wie macht man ein gutes Gefühl? Frage ich. Und irgendwer meint, man solle sich selbst angucken und alles wegmachen, was nicht nach diesem guten Gefühl aussieht.

Sonntag, August 06, 2017

Ich173

Ungefähr. Nicht genau. Halbwegs. Aber davon viel.

Samstag, August 05, 2017

Ich172

Hilfe. Sagte er. Stand so rum und es war die Antwort darauf, was er so braucht heute. Der ganze psychosomatische Mist lag ihm quer im Hals. Sein Gegenüber entschied sich dafür, ihm beizustehen, bis die Welt nicht mehr wackelte. Schön war das.

Freitag, August 04, 2017

Ich171

Ich bin aufgewacht, auf einer Rasenfläche, unter mir Feuchtigkeit. Die Summe der Geräusche des Waldes überall. Diese konkret berechnete Schönheit, die in mich reinfließt und mich beruhigt. Ich bin eine emotionale Sparmaßnahme und du, wie du sagst, emotional keine gute Partie.

Deswegen: einfach mal im Wald aufwachen, keine Angst vor wilden Tieren, selbst eins sein. Irgendwann aufstehen und weiterlaufen. Wo war nochmal die Stadt? Irgendwie im Hintergrund grunzt was. Keine Angst. 

Weiterlaufen, moosfüßig. Schön wäre, aber egal, mit dir, dies. Aber du, ich will nicht mehr daran denken. Ich habe einen Artikel darüber gelesen, dass jeder Smartphonegebrauch zu Lasten der Intelligenz geht. Wenn ich je welche hatte, versuche ich sie jetzt zu sparen. 

Licht. Dunkel. Lichtlichtlicht. Anders als die meisten, leiste ich mir nichts mehr, nicht mal mehr Widerstand. Ich bin weggelaufen. Und ich hatte ein bisschen Angst vor der Unberechenbarkeit des Waldes, aber je mehr Schritte ich in die Tiefe tue, desto furchtloser wird das alles. 

Dunkeldunkeldunkel. Ich dümpel. Was denken meine Follower über mich? Was sagt dieser Ernährungstyp über rohes Fleisch? Was meinte noch kürzlich der Politologe zu dir? Und diese Theaterpädagogin, die immer so krass abgeht? Die Summe dieser Eindrücke im Rücken und vorwärts. 

Weg. 

Das ist kein Urlaub, sage ich zum Wald und er erzählt mir ein Märchen. 

Es war einmal ein kleiner Wald. Seine Eltern ausgestorben und er so alleine auf einem Hügel in Thüringen. Ein Mädchen ging in diesen Wald und der Wald hatte einen großen Grizzlybären, den er einsetzen konnte, um Eindringlinge wegzumachen. Doch das Mädchen war dergestalt charmant, dass der Grizzlybär und sie etwas später eine Elternschaft zu bestreiten hatten. Ein Bärenmädchen namens Brondelofkanobrummli. Brondelofkanobrummli kam eines Tages in die Zivilisation und wurde Tennislehrerin. Damit wurde sie reich und glücklich und sie schickte ihren Eltern täglich feinfühlige SMS. Dann kam ein Krieg und die Erde wurde ein Haufen substanzloser Dreck mit Blut und Eingeweiden. Der Krieg blieb 6 Jahre und stellte Verhältnisse her, die man sich nicht hätte träumen lassen. Alles starb aus und es ist dann auch egal, dass es eine kleine Bärenmenschin aus dem Wald herausschaffte, um Tennis zu lehren. Der Planet verpuffte und weil sie gestorben sind, bleiben sie tot. 

So wie die ganzen Gefühle. Ich höre mich selbst  viel zu oft egal sagen und wichtig meinen. Wann hört das endlich auf?

Donnerstag, August 03, 2017

Ich170

Gestern Caspar Brötzmann und Thursten Moore gemeinsam performen sehen. Abseits von dem, was man so Lied nennt. Jede Struktur konfrontiert mit Walzen. Zwei Gitarren wollen Deine ungeteilte Aufmerksamkeit. Scheinbar passt nichts und Moore spielt Sonic Youth Krach, der ja immer filigran ist. Das Gehirn ist aktiv, die Ohren wollen, dass es vorbei geht, das Herz verliert den Rhythmus. Als es zu Ende ist, ist einem eine einzigartige Improvisation passiert. Das gute Gefühl, dass es vorbei ist liegt an dem, was passiert ist. Im Berghain so ein gut definierter Sound. 47 Minuten Krachästhetik.

Danach Elephant 9 aus Norwegen gesehen. Bass, Schlagzeug und eine Orgel, die durch ein paar Effekte gejagt wurde und dann wahlweise wie etwas aus dem Weltraum oder ein gurgelnder Dinosaurier klang. Fantastisch.

Mit dem Fahrrad nach Hause. Dort kein Wort mehr. Ein bisschen Demut. Das ist alles. Was. Bleibt.

Mittwoch, August 02, 2017

Ich169

Ein Märchen

Ein kleines Radio ging spazieren und trällerte Populärmusik. Es kam in einen finsteren Wald, wo Schrottplatzgeräusche und die Schreie gepeinigter Seelen zu einer Melange unverständlicher Dadajazzscheiße verquollen. Aber das Radio ging unbeirrt weiter und spielte einen Beach Boys Song.

"... That's why God made the radio
So tune right in, everywhere you go
He waved his hand, gave us rock 'n roll
The soundtrack of falling in love
That's why God made the radio ..."

Die anderen Geräusche versuchten das wunderschöne Lied zu stören. Aber es gelang ihnen nicht. Sie nagten wie Tiere an den Schaltkreisen und an der Antenne, aber das Radio ging stolz seinen Weg. Am Ende des Waldes wartete das Paradies auf das Radio und es tauchten herrlichste Melodien und einfachste Rhythmen auf, Sommerhit um Sommerhit und das Radio tanzte den Macarena und leichter Wind blueste. Das Leben war schön. Irgendwo buken schöne Menschen Funkuchen und es gab eine Rutsche für elektronische Geräte aller Art.

Dann wurde es Winter und alle starben am Zeitvergehen, wegen der Sollkaputtgehzeit von allem, was bestehen könnte, wenn der Mensch nicht an seiner unmittelbaren Mühe scheitern würde. Und denken würde etwas könnte über etwas anderes hinausgehen. Das kleine Radio sprach noch ein paar Nachrichten. "Es ist 1:05 Uhr, Sie hören die Nachrichten. Berlin. Ein Junge sitzt alleine zuhause und wartet auf irgendwas, was nicht passieren wird. Er sollte damit aufhören, aber er ist dumm. Washington. Guck mal, ein Eichhörnchen. Prag. Kafka hat derbe Spuren in die Herzen getreten. Rom. Es regnet. Zum Sport. Da lang. Wetter. Auch. Auf Wiedersehen, wir hören uns nie, nie, nie, nie wieder."

Aber über allem klingt immer noch dieses Lied und Gott lacht und sagt: Ja, man, darum habe ich das Radio gemacht.



Dienstag, August 01, 2017

Ich168

Es war nicht viel los. Vielleicht 7 Menschen in einem riesigen Kinosaal. "Dunkirk" von Christopher Nolan. Ich und meine Angst vor Kriegsfilmen. Trotzdem. Trotzdem. Nichtsdestotrotzdem. So. Da saß ich nun mit meinem Talent, die persönliche Angst, die ein bestimmtes Maß übersteigt nicht aushalten zu können. Aber da gerade ohnehin Krise ist, war mir dieses Gefühl schnurz.

Ein paar britische Soldaten laufen durch eine Küstenstadt. Gespenstische Ruhe, nur Hans Zimmer Musik drückt einen in den Kinosessel. Dann Schüsse. Nur einer überlebt und kommt zum Strand. Dort warten 400.000 Mann darauf, wieder nach England zu kommen. Ausharren am Strand, kein Schiff, vorne die raue See, hinter den Dünen irgendwo der Feind. Oben die deutschen Bomber, die vernichtend auf jede Menschenansammlung ballern.

Die ganze Zeit schwebt über den wortkargen Soldaten diese böse Strandtristesse der absoluten Aussichtslosigkeit und verzweifelten Hoffnung. Es wird weiterhin nicht viel geredet. Das britische Festland quasi in Blickweite, aber kein Weg. Oben liefert sich ein kerniger Tom Hardy als Pilot erbitterte Luftfights mit deutschen Flugzeugen.

Nolan teilt diesen Film in drei parallel erzählte Handlungstränge. Eben erwähnter Luftkrieg, dann die Geschichte einer Rettungsbootbesatzung, die sich von England nach Dünkirchen aufmachen, um im Wasser zu helfen, wem zu helfen ist und um die Soldaten nach Hause zu bringen. Außerdem wird am Strand die ganze Zeit taktiert, was aber irgendwie keine Hoffnung zulässt.

Die Kamera ist immer sehr nah bei den Soldaten. Die Angst, die Verzweiflung, die ganze Scheiße des Krieges wird in den Gesichtern erzählt und das macht diesen Film so wunderbar. Ein vergleichsweise leiser Kriegsfilm, in dem die psychologische Komponente der Angst, der Enge und der Eingeschlossenheit langsam und stetig ansteigt wie die stetig wabernde Nordsee, die die Toten an den Strand spült wie Strandgut. Wenn Actionszenen vorkommen, sind sie nicht überdosiert, sie spielen auch die ganze Zeit mit Panik und persönlichem Verderben.

Das Ende will ich nicht vorwegnehmen, aber der Film basiert auf einer historischen Begebenheit, also kann das jeder nachgucken. Großes Manko: abruptes Ende. Dem Flugzeug von Tom Hardy geht das Benzin aus, er landet Not und hoppla: Deutsche kommen. Weiteres kleines Manko: einem Soldaten wird ins Gesicht geschossen, in einem Boot, in das Wasser läuft. Er stirbt nicht, aber er schreit. Anschließend tauchen andere Konflikte innerhalb der Bootsbesatzung auf, aber ich konnte diesen Typen mit dem Gesicht nicht vergessen, den die Regie scheinbar schon vergessen hat.

Fazit: Gut investierte Zeit. Manchmal etwas zu kalt, manchmal etwas emotional zu verwackelt, aber es ist Krieg und alle sind stumpf.


Montag, Juli 31, 2017

Ich167

Einer schenkt mir alle seine Drogen, die andere ihr sprödes Herz. Ich kann mit beiden nicht wirklich was anfangen. Nehme aber beides mit, für irgendwann, für später.

Sonntag, Juli 30, 2017

Ich 166

Ach wenn das so ist, sagst du und wir sitzen am Ufer und reden, weil man an Ufern immer gut reden kann. Partyboote fahren vorbei. Lachende Menschen ohne Tshirts. Du erzählst mir ein paar persönliche Geschichten und versuchst eine Nähe herzustellen, die dann auch kommt und immer wieder pausieren unsere Worte und wir beobachten die Boote und die ausgelassenen Menschen. Ja, so ist es sag ich. Auf dem Rückweg muss ich pissen. Neben dem Stromkasten ragen auf dem großen Industriegelände diverse Kabel aus dem Boden. Wenn ich da drauf pisse, denke ich und pisse lieber woanders hin. Ein Tag ohne morbide Neigungen, das ist gut. Mach ein paar Worte hier und da und simuliere was vom großen Glück. Dann piss nicht auf die Stromkabel, die aus dem Boden ragen und überlebe. Kauf dir ein Abendbrot, hör Lieblingslieder, pack ein paar Sachen ein und fahr weg.

Samstag, Juli 29, 2017

Ich165

Nichts. Leere. Kriegsfilme. Draußen sitzen. Gucken. Die Worte verlieren. Eine bestimmte Art wiederkehrende Wut. Ziellos.

Aber immerhin: Gut gegessen und Sonnenschein. Dinge und Menschen werden egaler, wenn Du sie nicht siehst und sie auf Dich scheißen.

Muss. Jetzt. Da. Durch. Amputation. Kontrolle. Nur teilweise verloren. Der Rest ein bisschen tot. Geh zum Friedhof. Du kennst hier keinen.

Nach dem Kriegsfilm ein Boxfilm. Nicht leicht alles und irgendwie lächerlich.

Freitag, Juli 28, 2017

Ich164

Ich hab nicht viel
- Text
- Geduld
- Erinnerung an Dich

Als Du mir heute in meinen Träumen begegnet bist, hab ich nicht versucht Dich von mir zu überzeugen. Gegangen bist Du trotzdem.

Ein Stapel unabgeschickter Briefe im Kopf. Ich bin schlicht und nicht ergreifend.

Donnerstag, Juli 27, 2017

Ich163

Der entscheidende Satz, den er sagte war doch: "Und warum soll ich freundlicher sein, als die Firma für die ich arbeite?" Blieb im Raum hängen, diese Missgeburt von Frage. Ich saß in dieser Runde, hatte Erdnüsse und das miese Gefühl, dass so das Ende von allem aussieht. Was bringt es einem ein guter, liebevoller Mensch zu sein, wenn man dafür aufs Maul bekommt? Hierarchie, die nach unten tritt, bis der Meeresgrund erreicht ist. Dann weiter, durch die Tiefe. Treten, treten, treten. Lieblos leben.

Mittwoch, Juli 26, 2017

Ich162

Ich verstehe das. Sagte der Junge. Wusste ihm bleibt nichts außer das zu behaupten. Sein Gesicht, eine glatte Fläche. In ihm, ach egal. Guck mal, eine Zukunft. Wie schön.

Berlin. Regen. Tanzende Menschen. Gespräche, die ins Leere laufen. Kein Ziel eigentlich. Jetzt kann sich der Junge konzentrieren. Vielleicht ein besserer Schulabschluss? Dem Karateverein beitreten? Durch unbekannte Gegenden laufen? Einfach so? Irgendwo klingeln und fragen, ob man mitessen darf? Das wollte er schon immer mal tun.

Länger anhaltender Regen. Der Junge guckt aus dem Fenster. Remixt sein Leben auf eine unkreative Weise, so dass nichts Neues entsteht. Gefangen im Muster. Selbst Teil des Musters.

Raus. Ich verstehe das, sagt er nochmal zu sich selbst und hofft, er kann sich irgendwann glauben.

Dienstag, Juli 25, 2017

Ich161

Kann irgendeiner heute überhaupt noch frei denken? Was wird dann so rein inhaltlich gedacht? Kommen Menschen darin vor? Städte und Nahrung? Vielleicht Liebe? Was ist der Grundgedanke, den man, gäbe es keine äußeren Zwänge denken würde?

Es gibt ja Leute, die behaupten frei zu denken, aber auch die reden stundenlang übers Wetter.

Montag, Juli 24, 2017

Ich160

Ich wollt ja nur mal gucken was wäre wenn passiert was ich passieren lassen würde wenn es passieren könnte. Stillstand.

Jetzt am Fenster. Eine konkrete Kriegsangst später kann ich nicht mehr hedonistisch sein. Ich hasse ein wenig ziellos vor mich hin. Bis ich darauf komme, was nicht stimmt.

Ich.

Sonntag, Juli 23, 2017

Ich159

Ich will da nicht raus, brüllt das kleine Mädchen im Café. Draußen regnet es Hunde, Katzen und andere Säugetiere. Ich sitze an einem Tisch und arbeite an einem Text und blicke kurz auf das Mädchen und seine Mutter. Die Mutter sieht aus, als habe sie geweint und zwar gerade eben noch. Das Mädchen brüllt und tobt und der Regen legt nochmal zu und die Welt verfinstert sich erneut ein Stück. Die Mutter schweigt und zieht das Mädchen am Arm hoch. Zerrt es mit und im Regen angekommen, fängt die Mutter plötzlich an zu lachen. Wie böse Menschen in grausamen Geschichten lachen. Der Regen umspielt Mutter und schreiendes Kind. Ein Auto fährt durch eine Pfütze, eine tsunamiartige Welle klettert durch die Straße und macht die Menschen verschwindbar.

Ich schreibe weiter. Suche nach Hoffnung. Suche was zum Festhalten doch sehe nur den harten Regen. Ich verschwinde langsam im Text. Bin dann weg. Bin dann ein Schrei und ein Kind und die böse Mutter. Literatur entsteht.

Samstag, Juli 22, 2017

Ich158

Die Nacht ist warm. Ich lege mich in sie hinein und vergesse dich an zwei bis drei Tresen. Reicht nicht aus. Die Nacht ist warm.

Aus Erfahrung weiß ich, woher der Hase weht. Wenn ich nur lange genug nicht mehr an dich denke, wird es auch wieder Herbst.

Sehnsucht an Sommernächten: Zumindest das Gefühl zu haben, ein Teil eines Kusses zu sein. Sekunde fünf bis sieben oder so.

Freitag, Juli 21, 2017

Ich157

Alles ist gut so wie es ist. Ein Schweigen tritt ein, setzt sich plump und raumfordernd wie ein Tumor an meinen Tisch und trinkt meinen Kaffee und isst meine Gedanken an Dich. Bis keiner mehr da ist.

Lange betrachte ich 3 Muscheln, die ich in hoffnungsvoller Kleinstarbeit an einem guten Ort installiert habe. Ich werde ans Meer fahren. Ohne Dich.

Über allem hängt ein Satz. Alles ist gut so wie es ist.

Donnerstag, Juli 20, 2017

Ich156

Manchmal backst Du in meinen Träumen Apfelkuchen. Dann summst Du Lieder, die auch mir etwas bedeuten. Ich sitze am Tisch, während ich Dich nicht sehe, aber höre und weiß, dass Du da bist. Und wenn ich dann wage, in die Küche zu gehen, ist sie leer. Weder Du, noch ein Apfelkuchen, noch das Gefühl von Heiterkeit und Zuversicht.

Manchmal in der Realität bemerke ich, dass jemand Fluchtwege um mich herum installiert hat. Viele Wege führen von mir weg und im Bus schwitze ich auf dem Weg zu Dir. Jemand hat mir dieser Tage die Lockerheit amputiert.