Dienstag, Januar 14, 2020

Ich349

Sollte ich nochmal einen Roman schreiben, dann darüber, sagt er und wir trinken noch einen Tequila. Was er zuvor gesagt hat, war wahrscheinlich erschütternd, sehr persönlich und vielleicht ein bisschen anstössig und krank, aber ich habe, während er sprach aufgehört darüber nachzudenken, was er sagt. Ich denke darüber nach, was ich stattdessen denken könnte und komponiere in meinem Kopf Musik. Eine kleine Oper entsteht, die Premiere ist ausverkauft. Leider bin ich vorher gestorben. Die Musiker tragen Trauerflor. Was lächerlich aussieht auf ihren ohnehin schwarzen Anzügen. 

Es geht nicht mal darum, dass er mich langweilt. 

Dienstag, Oktober 29, 2019

Ich348

5 Beobachtungen

1. Der Kopf des Mannes, der mir in der Bahn gegenübersitzt, ist angereichert mit Trübniss, die aus seinem Blick entweicht.

2. Vergesellschaftung von Brauntönen. Toller Mantel denke ich, aber krude Gedanken. Ich weiß auch nicht weiter, sagt er.

3. Ein Hund sein. Am Kamin liegen. Vertrauen schenken. Konkrete Ansagen bekommen. Ab und zu Ausnahmen. Alle Lampen im Hirn hell.

4. Er sagte sein Lieblingsanglizismus wäre: "Es ist hell draußen."

5. Dieser Mann, sein Strahlen. Daneben die Welt, die Trümmer. Die Kugel spaltet den Frontallappen. Ging nicht anders.

Samstag, Oktober 26, 2019

Ich347

In den ganzen Zwischenräumen vermuten wir irgendwas Gutes. Der Herbst hält mich in der Hand. Ein Herbst aus Gold. Man fragt sich, wie belastbar man eigentlich ist und während des Nachdenkens bricht man zusammen. All die Versuche sind immer nur Versuche. Unsere Entschuldigung: "Sorry, Welt, ich lebe doch auch zum ersten Mal" lässt die Welt nicht mehr gelten. Es gäbe so viel zum Kümmern und noch mehr zum Drüberschlafen, aber man weiß doch: Die Tage reichen nicht aus. Und dann priorisiert man herum und vergisst zu leben. Jemand sagte: "Es ist meine Priorität, dich wiederzusehen" und blieb erstaunlich unsichtbar. Wie macht man, dass man nichts mehr will und trotzdem glücklich wird?

Montag, Oktober 21, 2019

Ich346

Eine Stadt, Rheinland, früh dran, ganz gut. Noch 30 Minuten bis Abfahrt. Gegenüber ein Bäcker, weil drin nur Yorma. Yorma stinkt schon beim Vorbeilaufen. Ich hab da auch mal gegessen. Einst. Früher. Dazumal. Irgendwann habe ich verstanden, dass das nicht gut ist.

Jetzt aber die Entscheidung für den Bäcker gegenüber. Ein Dialog entspringt aus meiner nuscheligen Haltung.

"Kaffee, bitte."
"Klein?"
"Ja, klein. Und ohne Milch."
"Für hier?"
"Zum hier."
"2 Euro, bitte."
Ich zeige auf was.
"Und das da."
"Auch für hier?"
"Auch zum hier."

Ich setze mich zu einem Paar an den Tisch. Beide Mitte 40. Er, Rainer Langhans Attitüde. Sneakers zum Leinenanzug. Nickelbrille, eine Lockenpracht. Etwas ausgemergelt, beschäftigt sich mit einem Stück Mohnkuchen. Sie redet die ganze Zeit. Über Essen. Redet über Käse. Und Zwiebeln. Und Schinken. Und wie gerne sie kocht. Er nickt und mampft Kuchen.

Meinem Kaffee für zum hier habe ich ein Körnerbrötchen hinzugefügt. Mit Rohkost belegt und Guacamole bestrichen. Die Frau spricht laut, der Typ schüttelt die Locken und grinst. Seine Fröhlichkeit ist ansteckend. Er sagt wenig, dann und wann ein bestätigendes mhmh. Ab und zu lächelt er auch mich an.

Ich überlege. Leute, die beim Essen über Essen reden, sind nicht selten. Schon häufig bin ich diesem Phänomen begegnet. Auch bei mir.

Zwei Mal fährt während meines stillen Dasitzens ein Rettungswagen vorbei. Immer versuche ich in den Gesichtern von Rettungswagenpersonal Angst und Sorge für den darin befindlichen Patienten zu erkennen. Oft sehe ich Leere oder Konzentration. Nie Panik. Immer Kontrolle. Ich hoffe, wie immer, dass sie wegen niemandem unterwegs sind, den ich kenne. Aber ich kenne hier auch niemanden.

Donnerstag, Oktober 17, 2019

Ich345

Jemand tanzt und filmt sichs Gesicht

"Guck mal, wir hören diese subversive Musik und wir haben unsere Handys nur deswegen umgeschnallt, falls in den Momenten des Wahnsinns mal was noch Besseres passieren könnte, was wir dann nicht mitbekämen, lagerten unsere Endgeräte in unseren Taschen oder gar daheim.

Guck mal, die Welt ist so eindrucksvoll, da muss man sie jederzeit dokumentieren können, wenn man auf der Höhe der Zeit sein will, jetzt so Moshpit, das Gefühl, der Raum fährt und explodiert gleichzeitig, da will ich doch später mal sagen: Ich war auch dabei.

Guck mal, unsere Freunde sind in diesem Gerät und so können wir alle immer überall sein, alle, überall. Ich kann gleichzeitig tanzen und im Krieg oder in einer Sushibar in Tokyo sein.

Guck mal, so guck, guck doch. Nun schau."

Mittwoch, Oktober 16, 2019

Ich344

"Sehr geehrte Fahrgäste,

aufgrund eines Polizeieunsatzes Höhe Warschauer Straße fällt die Sbahn aus."

So sagt es die Stimme aus Blech. Zur Arbeit muss er. An seinen Kontostand denkt er. An den Blick des Chefs denkt er, der ihn immer unsensibel behandelt. Also der Blick ist seltsam geringschätzig, der Chef ist nett, das ist ja das Perfide. An sie denkt er nicht mehr, außer manchmal und dann sehr. Auch perfide.

Polizeieinsatz meint oft Suizid, weiß er. Kürzlich ein Interview mit einem Popstar gesehen, fällt ihm da ein, wo der Popstar meinte, dass seine, wie auch vermutlich alle Gedanken von Menschen jenseits einer gewissen Reife das Thema Selbstauslöschung zumindest mal gestreift haben.

Er denkt nach. Das Gefühl, wenn man aus Trotz weiterlebt, wenn genau das nach dem Gefühl kommt, sich selbst nicht mehr zu sehen, gemischt mit dem Willen, die Schönheit der Welt anzuerkennen und erhalten und zelebrieren zu wollen, das ist dann wohl das Schönste der Welt. Während er weint und lacht, aber nur innen, summt er ein Lied, auch nur innen. Wer wissen will, um welches Lied es sich handelt, der müsste schon sehen, wer er warum ist. Der Zug fährt ein. Er fährt zur Arbeit. Unablässig schreit ein Kind. Er lächelt. Sein Leben ist gut und voller Überraschungen. Voll von Gefühl und Watte und Käse im Kopf. Wieder eine Minute zu intensiv gelebt.

Montag, August 05, 2019

Ich343

Habe heute Fenster geputzt zum Klang eines endlos schreienden Babys. Ich so, Hinterhaus Erdgeschoß, das Baby, irgendwo Vorderhaus, oben, vielleicht erster, vielleicht vierter Stock, da waren auf jeden Fall die Fenster offen. Das Schreien dauerte an, Intensität und Verzweiflung (ist es immer Verzweiflung, ich höre immer Verzweiflung, aber ist es immer Verzweiflung?) relativ gleichbleibend. Bei Fenster 1 - 3 war manchmal eine beruhigende Mutterstimme zu hören. Erst sang sie lieblich, aber nur kurz, dann redete sie, am Ende telefonierte sie in einem Nebenzimmer. Bei Fenster 4 - 6 war sie komplett verschwunden.

Vielleicht kommen Zähne, vielleicht Folter, alles könnte sein, die Wände sind nicht transparent. Am Leben zu sein ist manchmal waghalsiger als ____________ (bitte setzen Sie hier die größte Ihnen bekannte Waghalsigkeit ein).

Irgendwann habe ich meine Fenster geschlossen. Als akustischer Schatten immer noch das Baby. Über mir in der Wohnung Sexgeräusche. Das Leben geht weiter, geht einfach weiter.

Mittwoch, Juli 17, 2019

Ich342

"Du erinnerst mich an die Unfälle, von denen ich als Kind immer geträumt habe. Überschlag, eingeklemmt im Fahrzeug, das Auto beginnt zu brennen, draußen hilflose Passanten, Rauchentwicklung. Hitze. Draußen schlägt jemand vor, mich zu erschießen, damit das Leiden nicht so lange dauert, dann von fern: Rettungswagensirenen, das Feuer greift um sich. Grillgeruch. Ohnmacht. Dann so ein Schweben, ich verlasse meinen Körper, sehe von oben das brennende Auto, sehe die Leute, die helfen wollen, kann endlich auch die Rettungskräfte sehen, die zu spät kommen werden und nur noch eine verkohlte Version von mir aus dem Autowrack schneiden werden. Ich schwebe höher, schwebe weiter weg, es wird warm, ich sage Gott Hallo. Er sieht mich so an, wie ein enttäuschter Vater seinen Sohn ansieht und er hat ein Buch dabei aus dem er schallend lachend etwas vorliest. Dabei handelt es sich um eins meiner ersten Gedichte. Dann verschwindet er in den Wolken und ich stehe da, nackt und dumm, wie er mich wahrscheinlich schuf und seltsamerweise bekomme ich eine Botschaft von ihm direkt in mein Gehirn und diese sagt: Du hattest die Möglichkeit, was aus dir zu machen, etwas zu erschaffen, was sonst liegen bleibt und bist dann trotzdem in dieses Auto gestiegen und losgefahren. Anschließend lagere ich ewig als verbrannter Geist im Wartesaal des Paradieses."

"Daran erinnere ich dich, wenn ich dich frage, ob du mit mir was trinken willst?"

"Ja, verstehst du, ich denke ständig in Metaphern, die ganze Zeit ist mein Gehirn unter Beschuss der Realität und nichts wird geschmeidiger. Alles ist Bild und Bildzerfall. Alles bleibt in den Grenzen des Lebens gefangen. Die Geschwindigkeit eines Lebens, das Tempo eines Sexualaktes, die Menge an Worten, die man denken und schreiben kann. Die Summe der guten Momente. Alles ist irgendwann in einem brennenden Auto gefangen, in dem Moment, wo du verreckst."

"Oh."

"Ja, was ist die Konsequenz aus dem Wissen, dass wir verwelkende Blumen sind?"

"Blühen, die ganze Zeit? So krass es geht?"

"-"

"Nicht in das Auto steigen, das uns gefährdet?"

"-"

"Als blühender Mensch in einem Sonnenblumenkostüm full of drugs in ein schnelles Auto durch eine Gegend zu fahren, die zu 40 % aus niederträchtigen Abhängen besteht, zum Beispiel das Sauerland, wobei dort die Abgründe auch menschlicher Natur sind und dabei seine Lieblingslieder laut zu hören, seine Augen zu schließen und laut bis 37 zu zählen, während man durch ein Dorf brettert, das aus Schützenhalle, Kirche, Kneipen und einer Autowerkstatt mit skeptischen Mitarbeitern besteht, die, wenn ein Fremder sein Auto zur Reparatur bringt, sich nur ganz langsam aus ihrem Kabuff trauen?"

"-"

"Die Wahrheit bleibt verschlossen, korrekt?"

"Du erinnerst mich an die Unfälle in meinen Träumen."

Sonntag, Juli 14, 2019

Ich341

Gestern gemerkt, dass man als Typ, der alleine in eine Kneipe geht und an der Wand lehnt und nachdenkt, nicht auffällt. Vier Bier. Sieben Zigaretten. Die Nacht klebt. So auszusehen, wie ihr eigener Grabstein kriegen ja die wenigsten zu Lebzeiten hin. Aber lieber verwelke ich allein, als in Euren Armen ein Bestandteil dessen zu sein, was die Welt ermüdet. Scheiß Autor. Spricht immer von Welt und Leben und Liebe. So groß, die Thematik, so klein er selbst.

Ich halte es aus, leise zu sein. Damit die Krise, wenn sie die Kneipe betritt, sich zu den anderen setzt. Die Krise kommt rein. Ich gucke auf den Boden. Geschafft.

Mittwoch, Juli 10, 2019

Ich340

Ich habe aufgehört zu fühlen. Seit sieben Tagen schon. Meine Sprache wird stumpf, mein Gang aufrecht und meine Gedanken unpoetisch. Als Autor ist das schlimm, die Welt nicht zu spüren. Ich werde bald verreisen. Mein Tagebuch ist an ein paar Tagen leer seitdem. Trotzdem weiß ich, was ich gemacht habe.

Donnerstag, Mai 23, 2019

Ich339

Ich bin eigentlich ganz einfach zu finden. Leider hast du mich nie gesucht. Gestalten am Wegesrand sind easy to forget and difficult to love.

Der Wert von Gedanken ist nicht messbar. Der Wert von Gefühlen nicht berechenbar, nicht mal langfristig.

Ständig in die Leere zu fallen und darüber Gedichte zu schreiben macht auf Dauer des Fallens und darüber Schreibens lächerlich.

Point your finger to your heart. Point your finger to the sky. In Gedenken an. Vorbei am Denkmal von.

Ich338

krass, wie wir fließen, wie wir einfach fließen, wie sprache aus unseren köpfen, die mit den guten frisuren und gedanken, die, wie er behauptet, von anderen in eine form gepresst wurden, sind gar nicht unsere eigenen gedanken, meint er, sagt er, behauptet er, sind die, von denen, die da mächtig und so weiter

krass auch, wie er denkt, man müsse diesen und jenen erschießen, um endlich eine basis zu schaffen, wie man ein gutes system errichten könne, damit endlich die schlechten gedanken aufhören, die, wie er behauptet, nicht unsere sind, sondern uns von derzeitig vorherrschenden meinungsoffensiven in die köpfe transplantiert wurden und so zu unseren eigenen denkmustern geworden sind

ich zweifle, das kann ich gut, zweifeln, das macht mich irgendwie aus, deswegen stehe ich hier seit 15 jahren und gucke mir die jahreszeiten an, die vorbeirennen, schnee, sonne, blume, liebe, ne doch nicht, sie ist wieder unterwegs, was weiß ich wohin, unterwegs halt, ich stelle kaum noch fragen, außer: wie spät beginnt die arbeit fragezeichen

ich antworte ihm nicht mehr, ich kann das nicht, einfach antworten, wenn es sich hier doch um etwas handeln, was komplett utopisch ist und heute hat mich wer gefragt, warum ich nicht mehr rausgehe und ich sagte erstens weil ich hässlich bin und zweitens weil ich ein buch schreibe und wurde gefragt, ob ich Angst hätte worauf ich nein, nein, alles gut antworten konnte

geht einfach weiter all das, endet nicht, wie geht es eigentlich den rauchern vor dem krankenhaus, wie dem mann, der toffifee erfunden hat, ich hoffe, alle werden glücklich, aber es fällt mir schwer, ein system für alle zu erschaffen, in meinem kopf, dass alle gleichermaßen berücksichtigt, weil, wenn das so einfach wäre

dann würden wir es wohl einfach alle machen und dann wäre das der pudding, den wir jeden abend äßen und c fragte mich, wie spät man eigentlich im kommunismus zur schule müsse und ich sagte ihr, genau so früh wie im kapitalismus und c meinte, das wäre aber ungerecht und der lehrer hätte da was ganz anderes erzählt und

ich habe schon wieder angst jemanden anzurufen, um mich zu beschweren, aber es führt kein weg daran vorbei, dauernd rufe ich leute an und beschwere mich und ich hoffe, dass mich mal jemand anruft und mich beglückwünscht, aber wie denn, die leitung ist ja immer belegt, weil ich immer andere anrufe, um mich zu beschweren


Mittwoch, April 10, 2019

Ich337

Ich habe ein Lied geschrieben, die Instrumente sind flexibel.


WWIM

Supertraurigkeit ist wirklich aufm Land
hier viel schlimmer, als da, wo du mit
irgendwem reden kannst, in irgendeiner
Bar und hier ist Supertraurigkeit das Ende
beziehungsweise kurz davor, verstehst Du?

Weiß wie ich mein?
Weiß wie ich mein?
Weiß wie ich mein?
Nein

Supertraurigkeit zertrümmert Dich,
egal, wo Du grad bist und es könnte
soviel sein und jeder Schwächeanfall
will eine Artikulation sein, aber an wen
denn, an wen, oh an wen, an wen?

Weiß wie ich mein?
Weiß wie ich mein?
Weiß wie ich mein?
Nein

Und Carola melkt die Kühe noch von Hand
und weint von Herzen, wenn die Kälber abgeholt
werden und jeder, der jemals mal mit dieser
Supertraurigkeit zu tun hatte, weiß, dass es kein
Zurück gibt

Weiß wie ich mein?
Weiß wie ich mein?
Weiß wie ich mein?
Weiß wie ich mein?
Weiß wie ich mein?
Weiß wie ich mein?

Neinneinneinneinnein!

Sonntag, Februar 17, 2019

Ich336

Täglich spürst Du, wie Leben von Dir abgeraspelt wird, so als wärst Du eine Blockschokolade und die Zeit ein kleines Messer. Was runterfällt ist nicht mehr relevant. Da ist kein Pudding unter Deinen Füßen. Keiner isst davon.

Vor ein paar Jahren war das noch sehr egal. Jetzt bist Du morgens müde, nachmittags krank und abends wieder müde, während die Zeit scheinbar ihr Tempo verdoppelt hat. Und wenn Du Schwäche zeigst, dann rächt sich das.

Dieser Text endet pointenlos im Nichts, der Gedanke an sich hat aber Gewicht verloren.

Mittwoch, Januar 23, 2019

Ich335

Ein Gedicht

Kümmerts wen
wenn wer verkümmert
ohn Heizung
in sein Herz

Wenn wer verreckt
obwohl gut bezahlt
Familie hat er auch
und alles

Und richtig gute
Perspektiven
und vom Sport
entfettet schön

Alle sagen dann
wie konnte das
nur so unbemerkt
weit kommen

Nun ja
die Zeiten verlangen
nicht Unwesentliches
und Halt ist oft gespielt

Von der Idylle in
die Hölle
ist nicht weit
zurück? Vergiss es

Deswegen
Ach so
Weitermachen

Dienstag, Dezember 04, 2018

Ich334

ich habe heute eine Weihnachtsgeschichte geschrieben
es ist uncool, Weihnachtsgeschichten zu schreiben
ich glaube, das war auch der Grund




Und über allem liegt der friedliche Geruch konsequenter Verwesung

Die alte Frau Hagemann öffnet den Weihnachtsmarktstand. Westfälische Holzschnitzereien. Alles sieht ein wenig rustikal und traurig aus. Da gibt es Engel, Weihnachtsmänner, sogar ein Rentier und eine Krippe, die aus einem Eichenstammblock geschnitzt wurde. Das sieht alles nicht wirklich schön aus, das weiß auch die alte Frau Hagemann. Aber sie steht hier von Jahr zu Jahr und verkauft diese Gegenstände. Ihre beiden Töchter arbeiten in einer Werkstatt für behinderte Menschen und produzieren derartige Arrangements. Nein, eigentlich nicht wirklich, die Töchter sind lediglich imstande die Tannenzweige auf die Fixierungsplatten zu kleben und das auch nur mit großer Unterstützung eines Mitarbeiters.

Die alte Frau Hagemann denkt sich, seit ihr Mann tot ist, und der starb schon vor fast 25 Jahren, dass man doch mal Opfer bringen könnte und eines dieser Opfer ist in der Kälte zu stehen und eben diese Holzwerkstattsprodukte anzubieten. Sie arbeitet allein, sie hätte auch eine Schicht haben können, wo sie mit einem Mitarbeiter der Werkstatt zusammen gewesen wäre, aber die alte Frau Hagemann hat es nicht so mit diesen kompliziert denkenden Pädagogen. Und dann am besten noch irgendso ein Praktikant, der die ganze Zeit am Handy daddelt, da macht sie ihre Schicht doch lieber alleine. Hat sich zuhause Hagebuttentee gemacht und zwei Käsebrote belegt und denkt sich, die alte Frau Hagemann, dass man damit doch gut durch den Tag kommt.

Dinge, die Menschen mit Behinderung gebaut habe, weiß auch die alte Frau Hagemann, kaufen Leute nicht, weil sie die Produkte schön finden, sondern zumeist aus irgendeinem Grund der zwischen "schlechtes Gewissen" und "Mitleid" liegt. Wenn sie der Tatsache gewahr werden, dass die Schnitzereien eben von Menschen gefertigt wurden, die physisch oder kognitiv nicht das können, was man selbst für einen Normalzustand hält, gemischt mit dieser heimeligen Weihnachtsmarktatmosphäre, da kann es schon mal passieren, dass jemand wirklich etwas kauft am Stand der alten Frau Hagemann. Ein Schild, das die Herkunft der Produkte bezeugt ist deswegen auch gut sichtbar am Stand angebracht.

Aber da die Realität eine Sau ist und der Stand der alten Frau Hagemann eingeklemmt zwischen einem blinkenden Weihnachtsmützenangebot mit Rentierhörnern und einem Glühweinstand, hat sie eben Pech, dass sich die Leute zumeist bei ihren Standnachbarn umsehen, statt ihr Angebot in Augenschein zu nehmen. Ihre Schicht beginnt um 16 Uhr und soll am heutigen Tag bis zum Ende des Marktes gehen, was 22 Uhr wäre. Etwas verlassen steht sie also da und schaut, während sich links von ihr Leute mit blinkenden Mützen ausstatten, die sich rechts von ihr versuchen, ihren Spaß mittels alkoholischen Getränken zu maximieren. Die Holzarbeiten scheinen keine gute Saison zu haben.

Jetzt kommt doch so ein Typ an ihren Stand, als die alte Frau Hagemann gerade einen Schluck vom Hagebuttentee genommen hat und grunzt besoffen ihre Auslagen an. Er taumelt schon gehörig wegen seiner Glühweinfüllung und schaut mit der ihm innewohnenden Arroganz eines feierwütigen Besserverdienenen auf das Schnitzwerk. Murmelt dann: "Wer sich sowas in die Wohnung stellt, ist doch selbst behindert." Geht wieder zu seinen lachenden Freunden, die auch alle blinkende Mützen tragen. Kurze Zeit später stehen derselbe Mann und einer seiner Freunde hinter dem Stand der alten Frau Hagemann und lassen stöhnend Urin ab. Die Rückseite ist abgedichtet durch eine blickundurchlässige Plane, die aber nicht ganz bis zum Boden reicht. Pissepfützen umspülen alsbald die Lederstiefel der alten Frau Hagemann. Die kommt sich immer verlorener vor. Eingerahmt und drangsaliert von diesen irren Betrunkenen.

Pissegeruch, Glühweingestank, dazwischen diese überlaute Weihnachtsmusik, die ständig versucht, Harmonie zu streuen, wo es keine geben kann, das Gejohle von Betrunkenen, der alten Frau Hagemann wird unruhig zumute. Sie ist durchaus jemand, die einiges erträgt, aber manchmal ist da eine Weichheit in ihr, die macht, das alles zuviel wird. Die Unachtsamkeit der anderen führt meist dazu. Dann keimt in der alten Frau Hagemann auch manchmal ein bisschen Hass auf und der Wille zur Selbstjustiz. Wäre es erlaubt, nach Übertreten persönlicher Grenzen jemanden mit einem geschnitzten Weihnachtsgesteck den Schädel zu öffnen, jetzt wäre ein guter Zeitpunkt. Die alte Frau Hagemann erschrickt vor ihren Gedanken, weiß aber auch, dass darin eine Menge Gerechtigkeit läge. Sie hält es aus, das ganze Negative in ihr, den ganzen Gedankenschlamm, der manchmal ihr mütterliches, warmherziges Denken durchkreuzt und beeinflussen will. Bleibt aber still verwurzelt und schaut neutral in ihren Hagebuttentee.

Rache ist nicht das Ding der alten Frau Hagemann. Sie ist eine gottesfürchtige Person, schon von Kindesbeinen an. Gott, der Herr, wird alles richten und am Ende ein Gleichgewicht schaffen zwischen den Leidenden und den Aggressoren auf der Welt. Daran glaubt die alte Frau Hagemann wirklich. Wann aber dieses Ende stattfinden soll, hat der alten Frau Hagemann niemand gesagt. Sie ist geduldig.

Es ist jetzt 21 Uhr und sie könnte die Situation verlassen, weil der Dienstplaneinteiler meinte, wenn absehbar wäre, dass niemand mehr käme, um die westfälischen Holzschnitzereien aus der Behindertenwerkstatt zu begutachten, geschweige denn zu erwerben, könnte man den Stand auch vorzeitig schließen. Die alte Frau Hagemann aber denkt: 22 Uhr war abgemacht, bis 22 Uhr kann ich auch bleiben. Zuhause wartet ohnehin nur ihr altes Ehebett, auf dem sie immer noch auf der ihr angestammten Seite zum Erliegen kommt und die Fotos ihrer Töchter und ihres verstorbenen Mannes.

Wieder stolpert jemand aus dieser Gruppe ungeschickt vom Mützen- zum Glühweinstand, fällt ungeschickt auf ihre Auslagen und reißt zwei geschnitzte Engel in die Tiefe. Zorn glimmt auf in der alten Frau Hagemann. Als der Mann wieder Herr seiner Schritte ist, kotzt er noch einen Strahl Glückweinwurstkotze vor den Holzstand und taumelt unentschuldigt weiter. Die alten Frau Hagemann denkt sich, dass sie noch eine halbe Stunde durchzuhalten hat, bis sie endlich diesen Stand schließen kann. Ihr Pflichtbewusstsein hindert sie daran, aufzugeben. Sie holte die gestürzten Engel zurück in den Stand und säubert sie mit lauwarmen Hagebuttentee. Aushalten. Aushalten.

Mit zerrüttetem Stolz schließt die alte Frau Hagemann um 22.10 Uhr ihren Stand ab, verlässt ihn sauber und gespflegt, selbst die Pfütze mit dem Erbrochenen hat sie olfaktorisch mit Hagebuttentee gelöscht. Komplett hat das nicht funktioniert, aber bis morgen wird sich der Gestank verzogen haben. Auch die Männergruppen nehmen letzte Getränke entgegen, weil der Inhaber des Glühweinstands ebenfalls zu schließen gedenkt. Laut und dumm sind sie immer noch, aber das geht vorbei, wenn man sich von ihnen entfernt.

Als sie zwischen Glückweinbechern, Essensresten und Einwegweihnachtsdevotionalien durch die Gänge der zumeist schon geschlossenen Stände geht, denkt die alte Frau Hagemann über Gerechtigkeit nach und was das überhaupt ist. Ihre Gedanken sind klar, aber nicht mehr so feindselig wie vorhin. Ihr ist bewusst, dass es nicht ihre Angelegenheit ist, über irgendwen zu richten, irgendwen bewusst ins Unglück zu stürzen. Aushalten. In drei Tagen ist Heiligabend.

Am 24. Dezember fährt die alte Frau Hagemann am Vormittag ins Wohnheim und redet lange mit ihren Töchtern, die nie imstande waren zu antworten oder Augenkontakt zu halten. Außerdem spricht sie auch ein bißchen mit dem pädagogischen Personal. Sie hat Schokolade für ihre Töchter mitgebracht, die sie ihnen langsam Stück für Stück reicht. Brauner Speichel rinnt aus freudvoll kauenden Gesichtern und auch die alte Frau Hagemann ist zufrieden mit sich. Als sie geht, wünscht sie allen Bewohnern und Mitarbeitern ein fröhliches Fest. Einige antworten, die meisten schweigen.

Den Heimweg bestreitet sie seit Jahren zu Fuß. Es ist schon dunkel geworden und vor fünf Jahren musste die alte Frau Hagemann noch keine Pausen machen, heute sind es drei. In ihrer Wohnung schaut sie andächtig die Heilige Messe im Fernsehen an. "Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund", spricht der Pastor und die alte Frau Hagemann sagt: "Amen." Dann denkt sie über Würde nach, aber nur ganz kurz, bis es anfängt weh zu tun, dann tut es ein bisschen weh und dann sagt der Pastor: "Amen" und die alte Frau Hagemann guckt kurz wie ein kleines Mädchen, dem man die Lieblingspuppe entrissen hat, gewinnt aber schließlich wieder die Kontrolle über ihren Ausdruck. Ist ja auch niemand hier, der ihn begutachten könnte.

Die alte Frau Hagemann geht durch ihre Wohnung wie eine unlängst angeschossene Person, die versucht würdevoll zu laufen. Sie holt sich ein Glas Wasser aus der Küche und gönnt sich Lebkuchen. Ihre Träume sind schwarz-weiß und langsam. Trotzdem wacht sie jeden Tag auf.

Montag, Oktober 29, 2018

Ich333

Youtube. Sonntag Abend. Ungefähr eine Stunde dabei zugesehen, wie jemand diverse Dinge in einen Schredder wirft. Plastik im Todeskampf. Fantadosen springen auf und kotzen Zucker. Feuerzeuge explodieren. Eine Deodose stöhnt. Langsame Zerstörung. Zärtliches Knistern. Entmaterialisierung von allem. Fühle mich seltsam erholt und zuversichtlich bestätigt.

Freitag, Oktober 26, 2018

Ich332

Nur in einer Bar gesessen. Zwei dänische Boys kennengelernt. Gefragt was man so macht. Hatte keine Lust, über mein Leben als Autor zu reden, also sagte ich, dass ich Baggerfahrer sei. Wir unterhielten uns über die Tiefe von Löchern, die ich angeblich gegraben habe. Das funktionierte ganz gut.

Schnaps. Ich lachte laut über einen Witz, den ich sofort danach vergessen habe. Fußball. Alles wurde egaler. Niemand von uns liest Bücher, verstand ich irgendwann. Die beiden Jungs nicht, ich in meiner Baggerfahrerattitüde bin auch immer nach 10 Stunden Baggerns derart erschöpft, dass ich Literatur auch ablehne.

Aber wir haben alle gute Schulabschlüsse und mega nette Ehefrauen. Ich empfahl noch verschiedene Schaufeln für die Gartenarbeit und alsbald auch mich. Noch Schnaps und dann weg. Draußen Kälte. Ich schämte mich, als ich an einer Baustelle vorbeilief, weil ich überhaupt keine Ahnung habe, was man da tut.

Zuhause war mir die Lüge noch peinlicher, aber es gibt ja auch diese Gespräche, wo man erzählen muss, worüber man schreibt und dann soll man erklären wo das alles herkommt und die Leute sind mit der Antwort Magie sehr unzufrieden. Ich schreibe noch ein paar Sätze und entschuldige mich für meine Lügen. Morgen fahre ich mit dem Bagger über ein paar Bücher.

Montag, Oktober 08, 2018

Ich331

Jetzt ist gerade irgendwo der Punkt verpasst worden an dem mich hätte entscheiden können wie es weiter geht. Jetzt geht es weiter, aber ohne meine Entscheidung.

Montag, August 20, 2018

Ich330

und das Ergebnis meines Lebens ist ...

Montag, August 13, 2018

Ich329

Ich habe eines Tages aufgehört, deine Ignoranz zu bedauern. Ab da wurde alles gut.

Mittwoch, April 11, 2018

Ich328

Frage mich, was mit denen los ist, die die Ergebnisse ihrer Schrittzähler auf Facebook oder Instagram veröffentlichen. Lobdefizit? Schlimme Kindheit? BWL-Studium zu kurz? Man kann nur einmal innerhalb von 4 Jahren die FDP in den Bundestag wählen?

"Seht her, ich bin viel beschäftigt und mega agil, habe aber noch die sozialen Fähigkeiten eines Pfarrers in der Leprastation und teile meine physische Übermacht mit Euch unwerten Dummbeuteln, damit ihr mir nacheifert, damit wir alle eine Generation aus Fitness werden."

29.000 Schritte wären bei ihm Standard, meinte er und starrte Vorwürfe auf meinen zuweilen von Trägheit ergriffenen Körper, der sich nicht traut, Schritte zu messen, weil das Ergebnis vielleicht sogar die Anschaffung von Schuhen infrage stellen könnte.




Ich327

Und da wir heute alle nicht umgebracht wurden, ist morgen auch noch ein Tag. Unzählige Optionen unsere Leben zu ändern, zu beenden oder großartig zu machen, werden wir leider verstreichen lassen müssen, weil der Job uns bekniet wie ein Straßenräuber, der Turnschuhe oder Leben, du Opfa brüllt. Oder wir unterliegen anderen Zwängen und lassen uns von unserem Handy wecken, um es dann nicht mehr aus den Augen zu lassen, bis wir wieder eingeschlafen sind. Alles geht einfach so vorbei. Ich bin nur hier, um Ihnen zu erzählen, dass unser aller Existenz überhaupt keinen Wert hat. Null.

Ich selbst verschimmel auch wie übriggebliebenes Brot. Entweder man wird gefressen oder vergammelt unbeachtet. Brot wie Mensch. Das sind jetzt alles keine neuen Gedanken, aber ich will diesen Fakt trotzdem kurz festhalten, weil ich glaube, dass es gut ist, ihn kurz festzuhalten, um ihn zu verstehen und nicht einfach so wegzuunterteppichen. Üblicherweise machen wir das mit unliebsamen Wahrheiten. Dann sagen wir: Wahrheiten sind total subjektiv und zwar solange bis wir es selbst glauben.

Kürzlich war ich irgendwo und ich redete mit einer Kleinfamilie über Liebe. Die Kleinfamilie sagte, dass man doch sehen könne, dass Liebe etwas Gutes bewirken würde und nannte als Beispiel alte Paare, die sich ja einfach liebhaben müssen, um sich dergestalt lange zu ertragen. Ich erzählte in zwei Beispielen von Paaren, wo einmal jemand mit über 70 gegangen ist und ein anderes Mal der Partner einfach gestorben ist und der übrig gebliebene Mensch heilfroh war, jetzt frei zu sein. Aus moralischen Gründen mochte man sich nicht trennen, jetzt hatte man also noch 5 - 10 gute Jahre vor sich, um dann in die Grube zu fahren. Und die Übriggebliebenen jubilierten massivst. Nie im Leben des anderen hätten sie gewagt zu gehen. Gründe gab es tausende, aber man hat lieber im Namen der Liebe still vor sich hingeblutet, bis es halt eben vorbei war. Die anwesende Kleinfamilie war total erzürnt und verweigerte mir sogar die Teilhabe am extra zubereiteten Nachtisch.

Ich habe gerne mit Liebe zu tun, aber sie rettet uns nicht vor der Alltäglichkeit. Sie verbringt keine Wunder, sie rettet objektiv gesehen kein Leben. Dass es sie gibt, obwohl sie nur ein zufälliger Prozess ist, ist trotz allem essentiell.



Donnerstag, Februar 22, 2018

Ich326

Das müde Mädchen

Der Vater war schon müde
kaum die Mutter zu erwähnen
auch die Großeltern im Halbschlaf
ergo, es liegt ihr in den Gähnen

Donnerstag, Februar 01, 2018

Ich 325

tell someone you love them
today
tomorrow
maybe day after tomorrow

if not possible
don´t break
tell yourself
you
love yourself

don´t miss yourself

tell the people
tell them

try
to
set
yourself in position
to love you
be
beautiful
today

Ich324

?

was wir brauchen, ist die fähigkeit des menschen seinen verstand in vernunft zu transformieren
was wir haben ist die möglichkeit die fähigkeit des menschen seinen verstand in vernunft zu transformieren
was geschieht ist dschungelcamp

Sonntag, Januar 21, 2018

Ich323

Wenn man Menschen hilft, die umziehen, entsteht manchmal eine seltsame Sehnsucht, auch wegzuwollen. Seinen Hausrat in ein Auto und irgendwo neu anfangen. Aber das ist feige, wenn man einen Ort verlässt, an dem man noch einige Baustellen betreibt. Ich bleibe und schaue zu, wie andere gehen. Wie deren Leben besser wird. Mein Leben steht an der Bushaltestelle.

Dienstag, Januar 02, 2018

Ich322

Ich hab nie recherchiert für Bücher. Immer nur ins Leben gelangt und gehofft, dass es ausreichend ist, so zu sein. Und heute: 3 Sätze geschrieben. Alle hoch und wackelig. Einsturzgefährdet. Ich scheiß auf die Regeln, wie man einen großen Roman schreibt. Greife weiter ins Leben.

12.50 Uhr: Ich springe auf einem Trampolin. In einer therapeutischen Einrichtung. Augen geschlossen, so kommt es einem vor, als flöge man ins unlimited Weltall.

13.08 Uhr: Ich schreibe einen vierten Satz.

Montag, Januar 01, 2018

Ich321

Gutbestes Silvester. Allen Leserinnen und Lesern: Happy 2018. Da ich nicht das Zeug zum Influencer habe, ziehe ich mich aus dem Blogbusiness zurück. Werde einen Roman schreiben. Ab und zu werden hier Sachen zu lesen sein, aber nur, wenn es wirklich was gibt, was leuchtet.

Liebe,
d.

Sonntag, Dezember 31, 2017

Ich320

Fiesta. Den ganzen Tag schon. Jetzt Weißwein. Auf der Straße lachen die Leute Dein Lachen. Ich höre sentimentale Musik, damit ich meinem Rausch gerecht werde. Bis bald, Asphalt.

Samstag, Dezember 30, 2017

Ich319

Lass uns einen Moment drüber reden.

Worüber?

Über das Problem der Ernsthaftigkeit.

Ich habe kein Problem.

Vielleicht reicht ein Moment nicht aus.

Wieviel Zeit brauchst Du?

Jetzt und danach.

Bitte.

Freitag, Dezember 29, 2017

Ich318

Der Typ in der Bibliothek, der die Bücher einsortiert, scheint ein Problem zu haben. Er ist kein Typ für Pärchen Vintage Bilder, sondern eher der Mann, den man sich in einer heizungslosen Holzhütte im Wald vorstellt. Er knechtet einen Wagen durch die Gänge und ist auffällig laut beim Einsortieren der Bücher. In der Bibliothek ist sonst immer alles leise. Niemand redet, ab und zu ein Räuspern. Ich liebe diesen Mann für den bulligen Gegenentwurf, den er darstellt. Zornig im Bücherwald.

Donnerstag, Dezember 28, 2017

Ich317

Schreiben brodelt. Da will was raus. Wie aus den Lungen eines Sterbenden. Ich warte noch auf den guten Moment. Auf ein paar Tage Zeit. Bis der Druck so weh tut, dass die nächste Sekunde Unaushaltbarkeit verheißt. Sich Zeit lassen, das Brodeln angucken, darin einen Rhythmus erkennen.