Montag, Oktober 21, 2019

Ich346

Eine Stadt, Rheinland, früh dran, ganz gut. Noch 30 Minuten bis Abfahrt. Gegenüber ein Bäcker, weil drin nur Yorma. Yorma stinkt schon beim Vorbeilaufen. Ich hab da auch mal gegessen. Einst. Früher. Dazumal. Irgendwann habe ich verstanden, dass das nicht gut ist.

Jetzt aber die Entscheidung für den Bäcker gegenüber. Ein Dialog entspringt aus meiner nuscheligen Haltung.

"Kaffee, bitte."
"Klein?"
"Ja, klein. Und ohne Milch."
"Für hier?"
"Zum hier."
"2 Euro, bitte."
Ich zeige auf was.
"Und das da."
"Auch für hier?"
"Auch zum hier."

Ich setze mich zu einem Paar an den Tisch. Beide Mitte 40. Er, Rainer Langhans Attitüde. Sneakers zum Leinenanzug. Nickelbrille, eine Lockenpracht. Etwas ausgemergelt, beschäftigt sich mit einem Stück Mohnkuchen. Sie redet die ganze Zeit. Über Essen. Redet über Käse. Und Zwiebeln. Und Schinken. Und wie gerne sie kocht. Er nickt und mampft Kuchen.

Meinem Kaffee für zum hier habe ich ein Körnerbrötchen hinzugefügt. Mit Rohkost belegt und Guacamole bestrichen. Die Frau spricht laut, der Typ schüttelt die Locken und grinst. Seine Fröhlichkeit ist ansteckend. Er sagt wenig, dann und wann ein bestätigendes mhmh. Ab und zu lächelt er auch mich an.

Ich überlege. Leute, die beim Essen über Essen reden, sind nicht selten. Schon häufig bin ich diesem Phänomen begegnet. Auch bei mir.

Zwei Mal fährt während meines stillen Dasitzens ein Rettungswagen vorbei. Immer versuche ich in den Gesichtern von Rettungswagenpersonal Angst und Sorge für den darin befindlichen Patienten zu erkennen. Oft sehe ich Leere oder Konzentration. Nie Panik. Immer Kontrolle. Ich hoffe, wie immer, dass sie wegen niemandem unterwegs sind, den ich kenne. Aber ich kenne hier auch niemanden.

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