Montag, August 05, 2019

Ich343

Habe heute Fenster geputzt zum Klang eines endlos schreienden Babys. Ich so, Hinterhaus Erdgeschoß, das Baby, irgendwo Vorderhaus, oben, vielleicht erster, vielleicht vierter Stock, da waren auf jeden Fall die Fenster offen. Das Schreien dauerte an, Intensität und Verzweiflung (ist es immer Verzweiflung, ich höre immer Verzweiflung, aber ist es immer Verzweiflung?) relativ gleichbleibend. Bei Fenster 1 - 3 war manchmal eine beruhigende Mutterstimme zu hören. Erst sang sie lieblich, aber nur kurz, dann redete sie, am Ende telefonierte sie in einem Nebenzimmer. Bei Fenster 4 - 6 war sie komplett verschwunden.

Vielleicht kommen Zähne, vielleicht Folter, alles könnte sein, die Wände sind nicht transparent. Am Leben zu sein ist manchmal waghalsiger als ____________ (bitte setzen Sie hier die größte Ihnen bekannte Waghalsigkeit ein).

Irgendwann habe ich meine Fenster geschlossen. Als akustischer Schatten immer noch das Baby. Über mir in der Wohnung Sexgeräusche. Das Leben geht weiter, geht einfach weiter.

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