Mittwoch, April 11, 2018

Ich327

Und da wir heute alle nicht umgebracht wurden, ist morgen auch noch ein Tag. Unzählige Optionen unsere Leben zu ändern, zu beenden oder großartig zu machen, werden wir leider verstreichen lassen müssen, weil der Job uns bekniet wie ein Straßenräuber, der Turnschuhe oder Leben, du Opfa brüllt. Oder wir unterliegen anderen Zwängen und lassen uns von unserem Handy wecken, um es dann nicht mehr aus den Augen zu lassen, bis wir wieder eingeschlafen sind. Alles geht einfach so vorbei. Ich bin nur hier, um Ihnen zu erzählen, dass unser aller Existenz überhaupt keinen Wert hat. Null.

Ich selbst verschimmel auch wie übriggebliebenes Brot. Entweder man wird gefressen oder vergammelt unbeachtet. Brot wie Mensch. Das sind jetzt alles keine neuen Gedanken, aber ich will diesen Fakt trotzdem kurz festhalten, weil ich glaube, dass es gut ist, ihn kurz festzuhalten, um ihn zu verstehen und nicht einfach so wegzuunterteppichen. Üblicherweise machen wir das mit unliebsamen Wahrheiten. Dann sagen wir: Wahrheiten sind total subjektiv und zwar solange bis wir es selbst glauben.

Kürzlich war ich irgendwo und ich redete mit einer Kleinfamilie über Liebe. Die Kleinfamilie sagte, dass man doch sehen könne, dass Liebe etwas Gutes bewirken würde und nannte als Beispiel alte Paare, die sich ja einfach liebhaben müssen, um sich dergestalt lange zu ertragen. Ich erzählte in zwei Beispielen von Paaren, wo einmal jemand mit über 70 gegangen ist und ein anderes Mal der Partner einfach gestorben ist und der übrig gebliebene Mensch heilfroh war, jetzt frei zu sein. Aus moralischen Gründen mochte man sich nicht trennen, jetzt hatte man also noch 5 - 10 gute Jahre vor sich, um dann in die Grube zu fahren. Und die Übriggebliebenen jubilierten massivst. Nie im Leben des anderen hätten sie gewagt zu gehen. Gründe gab es tausende, aber man hat lieber im Namen der Liebe still vor sich hingeblutet, bis es halt eben vorbei war. Die anwesende Kleinfamilie war total erzürnt und verweigerte mir sogar die Teilhabe am extra zubereiteten Nachtisch.

Ich habe gerne mit Liebe zu tun, aber sie rettet uns nicht vor der Alltäglichkeit. Sie verbringt keine Wunder, sie rettet objektiv gesehen kein Leben. Dass es sie gibt, obwohl sie nur ein zufälliger Prozess ist, ist trotz allem essentiell.



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