Freitag, August 04, 2017

Ich171

Ich bin aufgewacht, auf einer Rasenfläche, unter mir Feuchtigkeit. Die Summe der Geräusche des Waldes überall. Diese konkret berechnete Schönheit, die in mich reinfließt und mich beruhigt. Ich bin eine emotionale Sparmaßnahme und du, wie du sagst, emotional keine gute Partie.

Deswegen: einfach mal im Wald aufwachen, keine Angst vor wilden Tieren, selbst eins sein. Irgendwann aufstehen und weiterlaufen. Wo war nochmal die Stadt? Irgendwie im Hintergrund grunzt was. Keine Angst. 

Weiterlaufen, moosfüßig. Schön wäre, aber egal, mit dir, dies. Aber du, ich will nicht mehr daran denken. Ich habe einen Artikel darüber gelesen, dass jeder Smartphonegebrauch zu Lasten der Intelligenz geht. Wenn ich je welche hatte, versuche ich sie jetzt zu sparen. 

Licht. Dunkel. Lichtlichtlicht. Anders als die meisten, leiste ich mir nichts mehr, nicht mal mehr Widerstand. Ich bin weggelaufen. Und ich hatte ein bisschen Angst vor der Unberechenbarkeit des Waldes, aber je mehr Schritte ich in die Tiefe tue, desto furchtloser wird das alles. 

Dunkeldunkeldunkel. Ich dümpel. Was denken meine Follower über mich? Was sagt dieser Ernährungstyp über rohes Fleisch? Was meinte noch kürzlich der Politologe zu dir? Und diese Theaterpädagogin, die immer so krass abgeht? Die Summe dieser Eindrücke im Rücken und vorwärts. 

Weg. 

Das ist kein Urlaub, sage ich zum Wald und er erzählt mir ein Märchen. 

Es war einmal ein kleiner Wald. Seine Eltern ausgestorben und er so alleine auf einem Hügel in Thüringen. Ein Mädchen ging in diesen Wald und der Wald hatte einen großen Grizzlybären, den er einsetzen konnte, um Eindringlinge wegzumachen. Doch das Mädchen war dergestalt charmant, dass der Grizzlybär und sie etwas später eine Elternschaft zu bestreiten hatten. Ein Bärenmädchen namens Brondelofkanobrummli. Brondelofkanobrummli kam eines Tages in die Zivilisation und wurde Tennislehrerin. Damit wurde sie reich und glücklich und sie schickte ihren Eltern täglich feinfühlige SMS. Dann kam ein Krieg und die Erde wurde ein Haufen substanzloser Dreck mit Blut und Eingeweiden. Der Krieg blieb 6 Jahre und stellte Verhältnisse her, die man sich nicht hätte träumen lassen. Alles starb aus und es ist dann auch egal, dass es eine kleine Bärenmenschin aus dem Wald herausschaffte, um Tennis zu lehren. Der Planet verpuffte und weil sie gestorben sind, bleiben sie tot. 

So wie die ganzen Gefühle. Ich höre mich selbst  viel zu oft egal sagen und wichtig meinen. Wann hört das endlich auf?

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