Dienstag, August 01, 2017

Ich168

Es war nicht viel los. Vielleicht 7 Menschen in einem riesigen Kinosaal. "Dunkirk" von Christopher Nolan. Ich und meine Angst vor Kriegsfilmen. Trotzdem. Trotzdem. Nichtsdestotrotzdem. So. Da saß ich nun mit meinem Talent, die persönliche Angst, die ein bestimmtes Maß übersteigt nicht aushalten zu können. Aber da gerade ohnehin Krise ist, war mir dieses Gefühl schnurz.

Ein paar britische Soldaten laufen durch eine Küstenstadt. Gespenstische Ruhe, nur Hans Zimmer Musik drückt einen in den Kinosessel. Dann Schüsse. Nur einer überlebt und kommt zum Strand. Dort warten 400.000 Mann darauf, wieder nach England zu kommen. Ausharren am Strand, kein Schiff, vorne die raue See, hinter den Dünen irgendwo der Feind. Oben die deutschen Bomber, die vernichtend auf jede Menschenansammlung ballern.

Die ganze Zeit schwebt über den wortkargen Soldaten diese böse Strandtristesse der absoluten Aussichtslosigkeit und verzweifelten Hoffnung. Es wird weiterhin nicht viel geredet. Das britische Festland quasi in Blickweite, aber kein Weg. Oben liefert sich ein kerniger Tom Hardy als Pilot erbitterte Luftfights mit deutschen Flugzeugen.

Nolan teilt diesen Film in drei parallel erzählte Handlungstränge. Eben erwähnter Luftkrieg, dann die Geschichte einer Rettungsbootbesatzung, die sich von England nach Dünkirchen aufmachen, um im Wasser zu helfen, wem zu helfen ist und um die Soldaten nach Hause zu bringen. Außerdem wird am Strand die ganze Zeit taktiert, was aber irgendwie keine Hoffnung zulässt.

Die Kamera ist immer sehr nah bei den Soldaten. Die Angst, die Verzweiflung, die ganze Scheiße des Krieges wird in den Gesichtern erzählt und das macht diesen Film so wunderbar. Ein vergleichsweise leiser Kriegsfilm, in dem die psychologische Komponente der Angst, der Enge und der Eingeschlossenheit langsam und stetig ansteigt wie die stetig wabernde Nordsee, die die Toten an den Strand spült wie Strandgut. Wenn Actionszenen vorkommen, sind sie nicht überdosiert, sie spielen auch die ganze Zeit mit Panik und persönlichem Verderben.

Das Ende will ich nicht vorwegnehmen, aber der Film basiert auf einer historischen Begebenheit, also kann das jeder nachgucken. Großes Manko: abruptes Ende. Dem Flugzeug von Tom Hardy geht das Benzin aus, er landet Not und hoppla: Deutsche kommen. Weiteres kleines Manko: einem Soldaten wird ins Gesicht geschossen, in einem Boot, in das Wasser läuft. Er stirbt nicht, aber er schreit. Anschließend tauchen andere Konflikte innerhalb der Bootsbesatzung auf, aber ich konnte diesen Typen mit dem Gesicht nicht vergessen, den die Regie scheinbar schon vergessen hat.

Fazit: Gut investierte Zeit. Manchmal etwas zu kalt, manchmal etwas emotional zu verwackelt, aber es ist Krieg und alle sind stumpf.


Keine Kommentare: