Donnerstag, Juli 13, 2017

Ich149

Kurzes Märchen

Ein Stein liegt mit seiner Steinfamilie am Strand eines Ozeans. Alle sind grau und glücklich. Ab und zu kommt Wasser, selten, aber egal.

Manchmal regnet es. Auch das ist egal, weil alles egal ist. Wäre nicht alles egal, würde vielleicht einer der Steine nervös werden, ob ihrer Lage, Farbe oder sonstwas, die verdammte Ewigkeit wäre nicht auszuhalten.

Zeit vergeht. Es regnet und dann wieder nicht. Ein Kind kommt und verändert die Konstellation der Steine und entfernt einen. Ein handlicher Schmeichler. Einfach weg. Die Steine rühren sich nicht. Wie sähe das denn aus?

Der Schmeichler liegt in einem Schuhkarton. 19 Jahre lang. Wird vergessen. Ganz ok. Alleine und vergessen. Egal.

Das einst einsammelnde Kind öffnet nach 19 Jahren den Schuhkarton und gedenkt eines Verstorbenen. Nimmt den Stein in die Hand. Projiziert Unglaubliches. Der Stein guckt genervt. Ist nicht mehr in seiner Rolle. Wird in eine Handtasche gesteckt. Häufig hervorgeholt. Angeweint.

Eine Reise beginnt. Das ehemalige Kind legt den Stein wieder an den Strand. Aber nicht in die Nähe seiner ehemaligen angestammten Steine. Man kann einander sehen, aber niemals mehr berühren. Die Hölle bricht los.

Alles bleibt wie immer.

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