Montag, Juni 26, 2017

Ich132

Literatur, warum?
Stell mir diese Frage laufend.
Läuft irgendwie, das ganze Gerüst ist zwar ständig am wackeln, aber es gibt eine magische Technik, dass man sich unten festhält, während man oben irgendwas aufstapelt. Und wenn man im Flow ist, fühlt man sich als könne man schreiben und wenn man dann Thomas Bernhard liest fühlt man sich wie der letzte Trottel. Aber ich bin jetzt und Zeit ist niemals Zeit genug und ich streichel einen Arm und freue mich auf die Resonanz, bis ich merke, dass es mein eigener Arm ist.

Und dann gibt es ein paar Rückmeldungen und man kommt miteinander ins Gespräch und wird gefragt: "Warum machst Du das eigentlich?" Eine Antwort bleibt aus, bin nicht so der eloquente Übersichselbstsprecher. Problem dabei: DAS PROBLEM. Die Kunst, die ich mache, hat ihren Ursprung in der Unerklärlichkeit. Die Idee kommt von irgendwo und springt ins nirgendwo, nirwanat dann umher und plötzlich brechen Teile aus dem Universum und Gesprächsfetzen bleiben in der Netzhaut hängen, gut sichtbar für jeden und mein Auge singt ein paar Töne vom Verlust der Schönheit.

(Zwischenmahlzeit, Gespräche über Verdauung, ein Spaziergang, Kleingeld gezählt)

Weiter.

Ein Text entsteht nicht wie ein Kind, ein Text ist kein Kind, meine Bücher sind keine Geburten im herkömmlichen Sinn, sondern sie kommen einfach durch die Tastatur gekrochen, verflockender Staub, der plötzlich sich zu einem Tier formiert. Transformers usw. Dann ist was da und wächst. Es ist kein Kind, verdammt, nein, man kann es töten und es ist egal. In jedem Stadium.

(Nichts mehr, ein Rotwein, der Versuch klar zu denken, der Versuch, nicht versucht zu sein, nichts zu versuchen, wissen, dass der Text irre klingt, immer noch behaupten können, dass man das so mache, in der Kunst)

Das Bild wird weit.

Ich schaffe. Ein paar Worte fallen runter. Abgeraspelt, weil so viele braucht man nicht. Die ungenutzten Worte liegen auf dem Fußboden, machen irgendwas, warten auf ihren Einsatz, aber ich zertrete sie nachhaltig. Ich bin klar. Ich bin Wasser. Ich bin Welle. Ich bin ..., ja was eigentlich? Denke an Dich, die Beschaffenheit Deiner Worte und wie viel davon in meinem Kopf Platz hat. Mein Kopf is a resident place. Ein DJ legt verspulte Grammatik auf. Everybody on the dancefloor, yo. Nichts weiter passiert. Alles, bloß kein Poetry Slam, davor habe ich Angst.

(Katastrophe, Katasbridge, Katasrefrain, der Song wird trotzdem ganz fröhlich, in der Pause höre ich Brian Wilson Klavier spielen)

Mein Schreibtisch ist nicht aufgeräumt.

Weiter. Weiter. Weiter. Im Text. Techno. Treibender Bass. Oben hört mein Nachbar alles was ich laut denke. Er klingelt, er sagt, ich solle bitte aufhören zu denken. Ich verspreche es ihm. Ich denke anschließend sehr leise.

(Verdörrt sind alle Zimmerpflanzen und mein Kopf ist ein Vakuum und ich hatte letztens Hunger und habe alle Prozesse unterbrochen, auch die Magie)

Ich habe aufgehört. Mit allem, was nicht mehr wichtig ist (ich hoffe M weiß, dass M sehr wichtig ist). Mein Kopf ist eine Apfelsine. Ich schäle sie, schmeiße alles weg, was nicht der reinen Essenz dient. Ich schreie leise. Komponiere einen Schlußakkord. Vergesse ihn und werfe stattdessen irgendwas um. Irgendwas ist fertig geworden und ich hab erklärt, wie das passiert ist.

(Nichts)

Ich hoffe, Ihr versteht!

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