Sonntag, April 23, 2017

Ich59

Rotwein. Deine Küche. Aus dem Radio Bekanntes. Schön, wenn es egal ist, dass Zeit vergeht.

Ein paar Stunden Ziellosigkeit. Niemand sein müssen, der man nicht ist. Probieren, der zu sein, der am besten zu einem passt.

Hass ist nur ein leeres Wort. In der Rustikalbar Streit anfangen. Versuchen Streit zu beenden. Streit, sagst du, bildet den Charakter. Charakter, sagst du, kann man sich nicht anziehen. Du, sagst du, schwebst zwischen den Welten. Harmonie, sag ich, hat ausgedient. Schon lange, sagst du und die, mit denen wir Streit angefangen haben stehen zu viert um unseren Tisch und gucken wie Psychopathen in den Lederjacken von Massenmördern. Harmonie, sagt einer, ist ein gemeinsamer Schnaps aus dem Becher des Lebens. Ich lache, du lachst. Pathos lacht. Ich klebe am Holztisch fest und spreche mit Typen, die mich grade noch verhauen wollten über die Welt und Verbesserung. Alles dauert. Jemand zahlt den ganzen Deckel. Ich wanke und finde draußen einen Fahrraddynamo, der wie eine Pistole aussieht und beschließe eine Tankstelle zu überfallen. Alle sind dabei. Dann schließt sich mein Bewusstsein. Irgendwo zerfällt lautlos eine Glasscheibe in feinen Staub. Ich liege am Boden und singe Chansons.

Die Welt bewegt sich. Die Welt bewegt uns. Später sitzen wir mit Käsebrötchen in der Küche und singen uns Schlaflosigkeitslieder vor.

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