Mittwoch, April 12, 2017

Ich47

Ich versuche, meinen Schreibtisch aufzuräumen und stapel doch nur Dinge von links nach rechts. Jetzt ist links alles frei und rechts liegt die ganze Scheiße, die Reste der Arbeit, ein paar Dokumente, mein Leben betreffend und auf dem Kalender steht meine Lieblingskaffeetasse. Irgendwie ist dieser Tisch seit Wochen wie ein Biotop. Papiere kommen und manchmal gehen sie. Notizbücher laufen von links nach rechts und die Tupperdose, in der ich Kleingeld sammle steht zentriert und hilflos da. Ein USB Stick weiß auch nicht so recht, wo er das nächste Mal wiedergefunden werden will. 

Ich versuche einen Überblick. Die Rechnung des Zahnarztes. Ich denke an sein freundliches Gesicht und an die Geräusche seiner Instrumente. Wir sind einander egal, außer in den Momenten unserer Begegnungen. Ich glaube, dass ist momentan so eine Tendenz in dieser Stadt. Egal sein, außer, wenn man da ist. Jede Begegnung ist eine Entscheidung und jede Nicht-Begegnung ebenso. Es gibt viel zu viele Menschen, denen ich nicht begegne. Ich verschiebe das Aufräumen des Schreibtisches auf demnächst und gehe zum Bäcker. Gegenüber. Ungewaschen und Jogginghose. Trotzdem lächeln alle und belegen friedlich Brote. 

Im Vergleich zu meinem Schreibtisch herrscht hier beim Bäcker eine Ordnung, alles hat seinen Platz. Brötchen grinsen. Ein Baguette lacht. Ich beobachte die Auslegfläche oder wie dieser Bereich heißt, wo die Backwaren hinter einer Glasscheibe ihrer Ausgewähltheit harren. Langsam wird der Laden leergekauft und manchmal denke ich mir, wie beruhigend das ist, einen Laden beim Leergekauftwerden zu sehen zu können. 

Zurück am Schreibtisch schreibe ich ein paar Worte und denke an die Freundlichkeit der Bäckereifachverkäuferinnen. Ihre wachen Augen. Ihre zärtlichen Kleingeldfinger. Ich glaube, es wird ein guter Tag. 


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