Mittwoch, März 15, 2017

Ich3

Ein Artikel, den ich heute morgen zum ersten Kaffee las, fragte sich, aber auch mich, was eigentlich Literatur darf. Natürlich darf sie alles, wie die Satire und sonstige Kunstformen. Eine Freundin meinte gestern am Telefon, ich hätte die Eigenschaft, mich hinter der Literatur zu verstecken, könnte ja machen, was ich wollte, wäre ja niemals haftbar zu machen und fragte dann, inwiefern ich diese Freiheit eigentlich nutzen würde. Zynischer Jammerlappismus, nannte jemand einst die Literatur von Houellebecq. Wird man so? Werde ich so? Auf Dauer? Will man das? Ist das eine Haltung, mit der man 45jährig assoziiert werden will?

Es geht natürlich auch darum, immer seine Kunst zu verteidigen. Gegen die, die behaupten, das sei überhaupt keine Kunst. Das ist zuweilen schon schwer genug, den es hat ja noch Alltag. Zum Beispiel: Postamt. Warteschlange. Hinter mir eine Frau, mindestens 1,90 m groß, man sieht ihre Angestrengtheit in ihrem Leben. Bluthoch- oder Leidensdruck, man weiß es nicht. Sie atmet stoßweise in meinen Rücken. Ich erledige meine Geschäfte, habe einmal kurz Gelegenheit, mich umzusehen und sie ist die traurigste Gestalt eines schönen Frühlingsmorgens. Als ich meine Dinge hier beendet habe, versucht sie ein Lächeln, geht auf die Postfrau zu. Nichts ist echt. Alles zerbricht.

Wie viele gute Jahre wird man noch haben? Wieviel Zeit davon wird Qualität haben? Was kann ich dafür tun, dass diese Eindrücke sanfter werden?

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