ich in irgendwo, tut nichts zur Sache eigentlich, aber schöner Tisch ...
This was Michael
In meinem Umfeld gab es zum Tode von Michael Jackson die verschiedensten Reaktionen. Irgendwie bewegt sich grad alles zwischen den Polen Hass, Liebe und Kerzenanzünden und ich weiß auch nicht, wieviel Trauer wirklich gut für mich ist, die ich für diesen Mann empfinden kann. Vor kurzem ist übrigens die Nachbarskatze von einem Volvo überfahren worden, ich war zur Beerdigung eingeladen (der kleine dreckige Nachbarsjunge von acht Jahren stand total zerzaust vor meiner Wohnungstür und hielt mir einen Zettel hin auf dem zu lesen war: "Jochen ist tot wegen ein Auto ihn überfahren, Beerdigung bei uns Garten, am Donnerstag 15 Uhr, Kaffee, Kuchen, Schokolade und Chips selber mitbringen, Leon ...") und ich bin nicht dagewesen, weil mir das zu traurig war.
Bei Michael Jackson ist das jetzt irgendwie anders. Irgendwie findet da ein Bezug statt und zwar einer, der mit deutlich macht, irgendwo in der Mitte meines Lebens rumzustehen und schon einiges erlebt zu haben, was nicht immer nach Frühling roch. Der Typ war Teil meiner Jugend, Teil meines Gefühlslebens zwischen 8 und 14 Jahren und egal, wie sein Gesicht aussah, ich war von seiner Coolness angetan. Er gewann sogar den Coolnesswettbewerb gegen meinen auch schon verstorbenen sonstigen Helden zu der Zeit: Falco. Falco war der erste weiße Rapper, für die, die ihn nicht mehr kennen. Ein emotional Man, der hinter Sonnenbrillengläsern wohnte und in dessen Welt es nur Selbstgerechtigkeit zu geben schien. Das fand ich cool und einen Song wie "Jeanny" gab es bislang auch kein zweites Mal.
Aber Michael Jackson war dann sowas wie ein Popfreund, den man gutfinden kann, um sich selbst künstlich zu besonderen. Skandale wie "neue Nase" oder "milde Bleiche" oder aber "Fummeln mit Liz Taylor" waren für mich nie ein Grund, ihn irgendwie kacke zu finden. Er moonwalkte sich in mein Kinderherz und ich war unendlich dankbar dafür, auch endlich einen Popstar zum Gutfinden zu haben, der zwar kaum Identifikationspotential bot, dafür aber unendlich viele Mystifikationsmöglichkeiten. Ich glaube, er war der Grundsteinleger für meine heutige Verhaltensauffälligkeit komische Menschen zu mögen.
Obwohl der Mann so ultrapopulär war, hat er doch polarisiert wie kaum ein Zweiter. Wie gesagt, es gibt hier in meinem Umfeld Leute, die spontan in Tränen ausbrachen, als sie vom Tode des Popstars hörten, aus einem Nachbarhaus hörte ich heute den ganzen Tag in voller Lautstärke "Beat it" und ich weiß, dass in diesem Haus eine alleinstehende Achtzigjährige wohnt, die nur noch zum Einkaufen oder zum Köterrumschleifen vor die Tür geht.
Der ungefähr vierzigjährige arbeitslose Junge aus meiner Nachbarschaft zum Beispiel, der, der immer öffentlich Vodka aus der Flasche trinkt und auch genau so riecht und dann mit seinem Auto ständig rythmisch gegen die Hauswand fährt, der hat mich vorgestern angehalten und mich gefragt: "Paffe Fresse, Kacktyp?" Als ich entschieden verneinte, meinte er: " Also ich weiss ja nich, ob das irgendwer mitbekommen hat, aber wer ständig Kinder bei sich pennen lässt und Vätern und Müttern atemberaubend hohe Schweigesummen in finanzkrisenbeendender Millionenhöhe zahlt, um es nicht zu einer Anklage wegen Vergewaltigung kommen zu lassen, der, also echt mal, der hätte schon vor 15 Jahren von 20 heroinabhängigen Preisboxern auf Tanzpille zu Tode gebumst werden sollen." Typ schwieg dann und trank einen großen Schluck aus der Arbeitslosenpulle und als ich nur nickte und nichts sagte, brüllte er mich wieder an: "Paffe Fresse?" Ich verneinte erneut und ging weiter. Er rief mir noch ein " ... uncharmanten Tag in der Hölle des selbstverzweifelten Daseins ..." hinterher und ich wußte, dass er eigentlich sich selbst meinte.
Zuhause dann wurde meine eigene Verbindung zu Michael Jackson bewußt. Als ich so 12 oder 13 Jahre alt war und die Bad Platte gerade aktuell war, war ich einer der talentfreisten Michael Jackson Imitatoren. Total Popkultur war damals die sogenannte Mini Playback Show (mit der niederländischen Behindertenimitatorin und Pädagogikversagerin Mareike Amado) und dieses Format gab es damals auf fast jedem Kinderfest, zu dem ich eingeladen war. Also jedes Kind suchte sich seinen Lieblingssong aus und imitierte ihn mit einem Mikrofonersatz in der Hand. Ich weiß noch wie die damals vielleicht 11jährige Sabrina (Name geändert) beim Madonnaimitieren von Like a virgin sich salzige Erdnüsse in ihre Geschlechtsöffnung steckte und dann tanzte, als würde sie von drogensüchtigen Bauarbeitern durch die Gegend geschubst werden. Sie tanzte so lange bis sie hinfiel, dann aß sie zwei Buntstifte und benutzte Asthmaspray für die Vermeidung von Totgehen und den Rest der Party saß sie total autistisch da und wollte auch später nicht nach Hause gehen, weil sie Angst vor ihrer Mutter hatte, die ihr auch diese Art zu tanzen beigebracht hatte. Sabrina ist heute übrigens Inhaberin eines Kosmetikstudios. Glückwünsch.
Ich hatte zu der Zeit zwei coole Freunde, Kai und Tobi (Namen geändert), die bei Miniplaybackshows immer Kerry King und Tom Araya von Slayer waren, mit 12 schon Dosenbier mit sich führten und sich aufführten wie Haftinsassen auf Freigang. Die haben immer am Ende ihrer "Auftritte" immer ihre gitarrendarstellenden Tennisschläger zum Unmut ihrer Gastgeber auf dem Fußboden kaputtgeschlagen, was fast immer zu Rausschmiß und Unbehagen führte. Aber die beiden waren cool. Kai ist heute Anwalt und Tobi hat hat in einer großen IT-Firma so Frickeljobs zu tun, um irgendwas mit Daten zu retten. Ich glaube, Slayer zu sein, war eine gute Vorbereitung auf derlei Gejobbe.
Ich war dann immer Michael Jackson bei diesen Playbackkinderevents und die kleine dicke Liesel wollte immer die kleine dicke Mareike Amado sein und dann stand sie vor mir und laberte mich immer voll, wie alt ich denn sei und was ich für Hobbies hätte und was mein Lieblingsfach in der Schule sei. Liesel war komplett dumm, aber sie machte ihren Amado-Job gut und das Ambiente paßte. Dann interpretierte ich zumeist Bad, Thriller, Smooth Criminal oder in ganz glorreichen Momenten We are the world. Beim Moonwalk allerdings versagte ich fast immer. Das war diese Tanzart, die MJ perfektionierte, diese Tanzart die wie vorwärts laufen aussieht, obwohl man sich rückwärts bewegt. Mysteriös. Ich konnte entweder rückwärts oder vorwärts tanzen. Aber ich drehte ich wie bekloppt und in diesen Augenblicken war ich der König der Popmusik und mein Coolnessgrad nahm zeitweise etwas zu.
Ja, daran mußte ich gerade denken und auch daran, dass ich super gerne mal Sabrina, Kai oder Tobi wiedersehen würde. Ich kann immer noch keinen Moonwalk, naja, hab auch lange nicht mehr geübt.
Michael Jackson allerdings war ein Typ, der kurzzeitig immer in mein kleines unbedeutendes Leben geleuchtet kam und ich weiß noch heute um die Wohltat die das mit sich führte.
Who´s dead?
In diesem Sinne,
Dirk
Sonntag, Juni 28, 2009
um 23:50 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann
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2 Grummeltare:
das bild
das war im schlachtof
in wiesbaden
schöner abend gewesen
Also der Herr,... wenn ich mich recht entsinne und der CD in diesem Plastikregal über der Couch meiner fabelhaften Eltern glaube, wird der Falko in ihrer Version doch mit c geschrieben, Falco, sieht auch viel cooler aus,.. falCO...cool
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