Mittwoch, Juni 03, 2009


Punkrockerbauch mit Autogramm in Schönschrift


Blick ausm Hotelfenster


Linzfest und was sonst noch so im Juni geht

Linz ist ja in diesem Jahr europäische Kulturhauptstadt. Kulturhauptstädte haben laut EU das Ziel, die europäische Integration zu fördern. Die den jeweiligen Städten übertragenen Titel, läßt auch immer auf erhöhte Aufmerksamkeit in touristischen Belangen und vermehrte Besucherzahlen hoffen. So zumindest wurde ich auf den Weg geschickt, mit einem Rucksack voller Kulturgut nach Linz zu reisen, um dort Integration zu feiern. Ich muß sagen, von meiner Seite hat das geklappt.

So, bin grad zurück vom Linzfest, wo ich am Pfingstmontag auf nachmittäglich sonnenbeschienener Wiese eine Stunde lesen durfte. War mal schön mit der Donau im Rücken und vollkommen gechillten Österreichern vor der Bühne, besser als die sonstigen Stadionlesungen, die immer so anonym sind, das ich mich selbst kaum noch erkenne. Also Top-Ambiente und trotz fast ausschließlich liegender und hippiesque verkrümmter sitzender Zuschauerschaft kam eine Begeisterungsflut auf, die mich selbst erstaunte. An dieser Stelle nochmal danke an die Verantwortlichen, Organisatoren, Köche und Bierverkäufer auf diesem Fest. Schön wars.

Sonntag Abend habe ich auf diesem Kulturhauptstadtfest in Linz im Dämmerzustand (Tagesbierform plus Dunkelheit) die wunderbare Band Mogwai aus Glasgow sehen dürfen. Mogwai sind fünf Typen, die sich melancholischem Gitarrenrock mit expressionistischen Gewaltausbrüchen verschrieben haben, ohne dabei die melodiöse und schön verstörend klingede Basis zu verlieren. Live sieht das dann so aus, dass man mit Bier und Kippe vor der Bühne steht und die Kippe verglüht und das Bier verschalt, weil das, was man hört einfach fähig ist, gleichzeitig zu heilen und zu zerstören. Ganz seltsames, aber durchweg mitfühlbares Gefühl, welches diese Band live bei mir hinterlassen hat. Dazu passend hat man eine Lichtshow gebastelt, die den innovativen Sound visuell tanzbar machte. Groß. Wirklich groß. Wers nicht kennt und keine Angst vor großen Gesten, die aufs Herz zielen hat, reinhörn.

Tagsdrauf habe ich dann gelesen (zur literaturunkonformen Zeit von zwölfUhrdreißig) und ich habe noch nie auf so einer fetten Festivalbühne lesen dürfen. Wie erwähnt, in meinem Rücken die graue Donau, vor der Bühne overchillte Österreicher, die aber die hingebungsvolle Leseakrobatik angenommen haben wie kleine hilfebedürftige Waisenkinder. Meine Texte fühlten sich gut aufgehoben, angenommen und asyltechnisch einwandfrei behandelt. Man spendete reichlich liegende Ovationen und kaufte meinen Büchertisch radikal leer, besser konnts nicht laufen. Ich signierte Bücher, Bäuche und Brüste und war fasziniert von den Menschen, die außer entspannt zu sein, auch noch klug und witzig waren. Echt mal.

So, desweiteren geht im Juni lesetechnisch auch noch was und zwar an folgenden Orten.

10.06. Düsseldorf Uni
23.06. Mainz Kulturcafé
24.06. Fulda Fegefeuer (mit Andy Strauß)

Ich muß jetzt zusehen, das ich von dieser gechillten österreichischen Art wieder in meinen gewöhnlichen dummdeutschen Alltagstrotteltierherdentrott komme und weiter rave.

So, bis bald mal,

Österreichasylant,

Dirk Bernemann

2 Grummeltare:

see hat gesagt…

hab noch nie so eine schöne Umschreibung für den Sound von Mogwai gelesen..
solltest dir auch mal die Jungs aus Münster anhören "Long Distance Calling"..
sieht man auch öfter und für kleineres Geld, als Mogwai.
und sind noch nicht so abgehoben ;)

gruss...

Wolfgang hat gesagt…

Hallo Dirk,
grade erst gefunden, dieses Posting.

Freut mich, dass es Dir am Linzfest gefallen hat. Ich hatte bei Deiner Lesung auch viel Spaß, wollte mir eigentlich auch noch ein Buch kaufen, aber da waren sie schon alle weg.

Vielleicht laufen wir uns mal wieder über den Weg, würd mich freuen!

Wolfgang